Was Ostern uns sagt : Schimmer der Hoffnung

Vielleicht ging es bei den diesjährigen Ostergottesdiensten etwas leiser und suchender zu. Der Flugzeugabsturz hat so manche Gewissheit erschüttert. Doch auch Zweifel gehören zum Glauben. Ein Kommentar

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Ostern in Berlin, im Hintergrund der Fernsehturm.
Ostern in Berlin, im Hintergrund der Fernsehturm.Foto: Hannibal Hanschke/dpa

Bäume verlieren im Herbst ihre Blätter, sehen aus wie tot. Im Frühjahr treiben die Zweige neue Knospen, werden wieder grün. Doch der Mensch soll endgültig tot sein, wenn sein Herz nicht mehr schlägt? Das konnten sich die Ägypter vor 5000 Jahren nicht vorstellen. Sie bauten ihren Pharaonen riesige Pyramiden und gaben ihnen Gold mit ins Grab, damit es ihnen an nichts mangelt, wenn sie aufwachen.

Auch Juden, Christen und Muslime glauben daran, dass es nach dem Tod weitergeht. Christen glauben, dass die Römer Jesus nicht nur deshalb ans Kreuz genagelt haben, weil er Revolutionäres predigte und die Menschen aufwiegelte. Sie sehen dahinter einen göttlichen Plan: Jesus sei für die Menschen am Kreuz gestorben, schreibt Apostel Paulus. Er habe dadurch alles Menschliche und auch die Sünden auf sich genommen.

Ist der Tod sinnvoller, wenn ein alter Mensch stirbt?

Doch hat der Tod einen Sinn? Sicher nicht der Tod der vielen Menschen, die mit der Germanwings-Maschine abgestürzt sind. Schwer vorstellbar, dass ein barmherziger Gott möchte, dass Jugendliche sterben, weil sich ein Pilot das Leben nehmen will. Ist der Tod sinnvoller, wenn ein 83-Jähriger im Krankenhaus stirbt? Seine Kinder, Enkel und Freunde stehen vielleicht nicht so fassungslos am Grab wie die Angehörigen vor dem Gedenkstein im französischen Bergdorf Le Vernet. Doch der Tod fühlt sich immer sinnlos an, wenn er nah herankommt.

Der gekreuzigte Jesus ist am dritten Tag auferstanden. So steht es in der Bibel. Viele Künstler des Mittelalters zeigen einen triumphierenden Jesus, der in den Himmel aufsteigt. Einen, dem man die Qualen am Kreuz nicht ansieht. Im klassischen Ostersonntagsgottesdienst predigen Pfarrer, dass durch die Auferstehung auch die Menschen von ihren Sünden und Leiden erlöst sind. Doch wer gerade die Frau, das Kind oder den Freund verloren hat, dem hilft das nicht viel weiter. Ostersonntag muss deshalb nicht ausfallen. Doch Priester, Pfarrerinnen und Bischöfe sollten es sich schwer machen mit der Osterpredigt, sollten allzu schnelle Gewissheiten und die üblichen Formeln und Zirkelschlüsse beiseite lassen. Vielleicht geht es eine Spur leiser und suchender als sonst, sozusagen mit mehr Karsamstag. Am Tag nach der Kreuzigung waren Maria Magdalena und die Jünger traurig, verunsichert. Ihr Meister war tot, die erhoffte Revolution ausgeblieben; am leeren Grab blieben die meisten ratlos.

Zweifel gehören zum Glauben

Ratlosigkeit, Verunsicherung, Zweifel und auch Verzweifeln gehören zum Glauben. Manchmal gelingt es den Kirchen, das zuzugeben. Vor zehn Tagen hat die evangelische Kirche die Präsentation eines neuen Grundlagentextes zur Kreuzes- und Auferstehungstheologie abgesagt - "aus aktuellem Anlass". Es war Tag zwei nach dem Flugzeugunglück.

Auch der Pfarrer, der weiß, dass seine Frau nur noch drei Wochen zu leben hat, erfährt den Tod noch einmal anders. Im Amt hat er so viel über das Sterben nachgedacht und gesprochen. Nun Krebs im Endstadium. Jetzt, da es ihn selbst betreffe, seien alle Gewissheiten erschüttert, sagt er. Alles, was bleibe, sei eine kleine, zarte Hoffnung. Es ist die Hoffnung, an die sich Menschen seit Jahrtausenden klammern, gegen alle Vernunft und Erfahrung: dass der Tod nicht das Ende ist. Dass es den Toten gut geht, dort, wo sie jetzt sind. Vielleicht ist es auch nur der Schimmer einer Hoffnung. Aber diesen Schimmer gibt es. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

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