Welt : Wasser auf dem Mars

Europäische Forscher finden Eis am Südpol des Planeten – und Hinweise auf einstige Flussläufe und Seen

Thomas de Padova

„Ich könnte den ganzen Tag nur vor diesen Bildern sitzen und sie anschauen“, sagt Ralf Jaumann. „Es ist fantastisch, was man da alles sieht.“ Der Berliner Planetenforscher vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Adlershof ist begeistert von den Farbaufnahmen, die die europäische Raumsonde „Mars-Express“ seit einigen Tagen unablässig zur Erde funkt.

Die digitale Kamera, die er mit entwickelt hat, bringt uns den Mars nun so nahe wie nie zuvor. Nicht mit platten Luftbildern, sondern mit einzigartigen dreidimensionalen Ansichten der Vulkane und Canyons, Berge und Krater. „Selbst kleine Rinnsale sind darauf zu sehen“, schwärmt Jaumann. „Wir haben einiges von unserer Kamera erwartet, aber dass die Bilder so gut werden, hätten wir nicht gedacht.“

Am Freitag präsentierte die Europäische Weltraumorganisation (Esa) in Darmstadt eine Fülle neuer Ansichten unseres Nachbarplaneten. Die Aufnahmen lassen kaum noch Zweifel daran, dass die Landschaften des Mars einmal von größeren Wasserläufen, Schlammlawinen und Gletschern gestaltet wurden. Die Frage ist nur: War es dort in der Vergangenheit einmal so warm, dass es auch stehende Gewässer, dass es Seen und Meere gab? Kam das Wasser womöglich sogar von oben, regnete es dort? Oder brach das Wasser lediglich bei einigen Eruptionen aus dem Boden aus und gefror nach kürzester Zeit sofort wieder zu Eis? Diese Fragen wollen Jaumann und andere Forscher in den kommenden Monaten anhand der Bilder zu klären versuchen. Und damit auch, ob das Klima auf dem Mars einmal die Existenz von Lebewesen ermöglicht haben könnte.

Am Südpol liegt Eis

Bereits jetzt konnten die europäischen Forscher mit einem Instrument an Bord der Sonde „Mars-Express“ nachweisen, dass noch heute Eis auf dem Mars liegt. „Wir haben Wassereis auf dem Südpol identifiziert“, sagte der Esa-Wissenschaftler Vittorio Formisano in Darmstadt. Das Wassereis bedeckt die bis zu minus 120 Grad Celsius kalten Polkappen, zusammen mit Kohlendioxideis, das auch als „Trockeneis“ bezeichnet wird.

Die von „Mars Express“ gelieferten Daten bestätigen damit die Vermutung, die amerikanische Forscher vor zwei Jahren nach Messungen mit ihrer Raumsonde „Mars Odyssey“ geäußert hatten. Nasa-Wissenschaftler fanden damals heraus, dass selbst in mittleren Breiten Eis im Marsboden liegt. Flüssiges Wasser kann dagegen heute nirgends mehr auf der Marsoberfläche vorhanden sein. Es würde sich wegen des geringen Luftdrucks sofort ins Weltall verflüchtigen.

Die nun von den Europäern gemachten Bilder zeigen jedoch eindrucksvoll, dass Wasser und Eis in der Vergangenheit des Mars einmal eine große Rolle gespielt haben. Täler und Canyons zeugen in vielen Gegenden heute noch von jener Zeit. „Wir sehen Uferlinien an kleinen und großen Kratern“, sagt Jaumann. „Wir können die Fließrichtung des Wassers sehen und sogar abschätzen, wie viel Wasser sich dort den Weg gebahnt hat, wie viel Material es weggespült hat. Wir können nur bisher die Ursache für das Wasser auf der Planetenoberfläche nicht klären.“

Kam das Wasser von unten oder kam es von oben? Für die Marsforscher ist das eine der entscheidenden Fragen. Denn mit einer Antwort darauf ließe sich auch das einstige Klima auf dem Mars rekonstruieren. Vor drei bis vier Milliarden Jahren besaß der Mars womöglich eine dichte Atmosphäre, die ihn auf lebensfreundliche Temperaturen erwärmte. Um diese Vermutung zu erhärten, wäre es vor allem wichtig herauszufinden, ob es einmal Seen auf dem Mars gab und sich das Wasser einst an der Planetenoberfläche halten konnte. Einige Marsforscher glauben, auf der Nordhalbkugel die Ränder eines riesigen Ozeans erkennen zu können.

Hinterlassenschaften eines Meeres

Die von „Mars-Express“ gemachten Bilder zeigen nun Krater, in die offenbar Flusstäler und Rinnsale einmündeten. „Ist das Wasser dort versickert? Oder ist es in ein stehendes Gewässer geflossen?“, fragt sich Jaumann. Zumindest das könnte bald beantwortet werden. „Ich bin mir sicher, wir können demnächst anhand der Bilder sagen, ob in den Kratern Wasser gestanden hat oder nicht.“

Auch Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn war in Darmstadt begeistert von den Fotos. Die Mission sei „ein gigantischer Erfolg für die europäische Raumfahrt“, sagte sie. Deutschland leiste mit einem Beitrag von 80 Millionen Euro den größten nationalen Anteil der 300 Millionen Euro teuren Mission und sei auch bei der wissenschaftlichen Ausstattung führend.

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