Wassernot : Rom sitzt auf dem Trocknen

Der italienischen Hauptstadt hat einen Wassermangel wie schon lange nicht mehr. Zu wenig Regen scheint nicht der Grund zu sein. Menschliche Buddeleien sollen daran schuld sein - geklärt werden muss, ob sie legaler oder illegaler Natur sind.

Paul Kreiner[Rom]
Springbrunnen Rom
Die Wasserzufuhr für viele barocke Schaubrunnen Roms ist gekappt. Auch am zentralen Piazza del Popolo bleiben die Springbrunnen...Foto: dpa

Auf einmal war das Wasser aus. Der Brunnen vor dem Palast des Regierungschefs plätscherte nicht mehr, die Fontäne vor dem Pantheon hörte auf zu sprudeln, und nur ein paar Tage wird es dauern, bis auch der Trevi-Brunnen auf dem Trockenen liegt. Dabei kann Rom noch von Glück sagen, dass Berninis grandioser Vier-Flüsse-Brunnen auf der Piazza Navona gerade restauriert wird. Sonst stünden Tausende von Touristen auch hier enttäuscht vor nackten Steinwannen.

Einen derart prominenten Wassernotstand hat die Ewige Stadt schon lange nicht mehr erlebt – genau gesagt, seit 2026 Jahren nicht mehr. 19 vor Christus nämlich wurde die „Aqua Virgo“ eingeweiht, eines jener elf Aquädukte, die das antike Rom überreich mit Wasser versorgten. Die „Aqua Virgo“, die „jungfräuliche“ Wasserleitung, war auch die einzige, die den Untergang des Reiches, die diversen Barbareneinfälle und all die folgenden Jahrhunderte unbeschadet überstanden hat. Ihr Wasser ist zwar – da aus dem östlichen Untergrund des heutigen Großstadtgebiets stammend – nicht mehr trinkbar, aber weil es als einziges keinen Kalk enthält, versorgt es die barocken Schaubrunnen der Stadt, ablagerungsfrei und pflegeleicht. Versorgte, muss man sagen, denn die unterirdische Wasserleitung, in der man durchaus mit Booten fahren kann, ist seit Tagen unterbrochen. Durch Beton aus dem einundzwanzigsten Jahrhundert nach Christus.

Warum? Es wird gemunkelt, vermutet, Gerüchte machen die Runde. Tatsache ist: Die Gebrüder Faranda, die in Italien eine Supermarktkette mittlerer Größe besitzen, wollten unter ihrer Villa im römischen Diplomaten- und Nobelviertel Parioli eine Garage buddeln. Die Denkmalschutzbehörde genehmigte das Projekt – erklärt aber heute, mit Rücksicht auf die unter der Villa verlaufende Wasserleitung habe man „nur einen Mikro-Eingriff“ erlaubt: „Vier Meter Tiefe waren zugelassen; die aber haben bis in die Erdmitte gegraben.“ Ohnehin, sagen die Denkmalschützer, „haben wir uns gefragt, wo die in ihrem kleinen Garten mit einer Garage hinwollten.“ Und nun rätselt man, weshalb die Gebrüder ihren einstöckigen Autostellplatz auf Stützpfeiler und Fundamente gründen wollten, die bis in 18 oder 20 Meter Tiefe reichten – justament ins Innere der „Aqua Virgo“, deren Existenz und Verlauf allen Beteiligten bekannt war. War es nur ein „grober Irrtum“ der Baufirma, wie Roms Zeitungen vorsichtshalber vermuten?

Die malerischen, alten päpstlichen Öllager Roms zeigen zur Zeit eine großartige Ausstellung darüber, was bei Bauarbeiten kreuz und quer übers gesamte Stadtgebiet immer wieder an antiken Schätzen gefunden wird.

Was bei den Ausschachtungen zerstört, zugeschüttet, beiseite geräumt und illegal verhökert wird, das sieht man natürlich nicht – aber man bekommt eine Ahnung davon. Und immer wieder stoßen Stadt und Polizei auf Schwarzbauten, die keine Rücksicht auf die unterirdischen Werte Roms nehmen. Was die Gebrüder Faranda im Sinne hatten – legal oder illegal –, ist eine derzeit noch offene Frage. Man halte sich „für Gespräche mit dem Denkmalschutz bereit“, sagen sie. Alles andere solle „an den zuständigen Orten“ geklärt werden – vor den Gerichten also.

Der berühmte Trevi-Brunnen blieb bisher vor der Trockenheit nur verschont, weil er seit der Restaurierung vor 15 Jahren – als einziger der prominenten Brunnen Roms – mit einem geschlossenen Wasserkreislauf arbeitet. Die Fluten, die da in Überfülle unter dem Muschelwagen des Meeresgottes hervorquellen, werden gereinigt, aufbereitet und gleich wieder verwendet.

Alle zwei Wochen allerdings muss das Wasser erneuert werden. Und in diesen Tagen arbeiten Techniker fieberhaft daran, dem Trevi-Brunnen eine Notversorgung zu konstruieren – damit es weiterhin leise „blubb“ macht und nicht blechern scheppert, wenn die Touristen ihre Münzen hineinwerfen.