Wasserqualität : ADAC: Keime an deutschen Stränden

Eine neue Studie des ADAC stellt den deutschen Badestränden kein gutes Zeugnis aus und widerspricht damit einem Gutachten der Europäischen Umweltagentur.

Sebastian Scholz

Können Urlauber nun ungetrübt in Nord- und Ostsee baden gehen oder nicht? Die Wassertester des Automobilclubs ziehen eine durchwachsene Bilanz: Das Wasser an einzelnen Spiel- und Badebereichen von 22 Stränden ist mit Keimen belastet. An 17 der getesteten Badestellen fanden die Experten sogar Fäkalbakterien. Thomas Burkhardt, ADAC-Vizepräsident für Technik, nannte das Ergebnis der Studie „besorgniserregend“. Insgesamt wurden 72 Messstellen eingerichtet und dabei besonders Problembereiche ins Visier genommen. Noch vor gut einer Woche hatte der Badegewässerbericht der Europäischen Union (EU) nahezu allen Ostseeküsten und 99 Prozent der deutschen Nordseeküste EU-Standards bescheinigt. Die deutschen Küsten seien so sauber wie seit 20 Jahren nicht mehr, hieß es in dem Bericht. Immerhin: 38 Stellen der vom ADAC untersuchten Stellen bekamen jetzt ebenfalls die Noten „sehr gut“ und „gut“. „Mangelhaft“ lautete das Urteil allerdings an vier Stellen, „bedenklich“ an 13. Zu den Siegern gehörten Strandabschnitte in Boltenhagen an der Ostsee sowie in Westerland (Sylt) an der Nordsee, zu den Verlierern zählten Messstellen in Kühlungsborn und bei Eckernförde. Alle Ergebnisse finden sich im Internet unter www.adac.de.

Welches Ergebnis stimmt denn nun? Die Tester kommen durch unterschiedliche Herangehensweisen zu abweichenden Ergebnissen. Der ADAC ging bei seinem ersten Test dieser Art dabei einen anderen Weg als die EU-Prüfer. Die europäische Umweltagentur konzentrierte sich vor allem auf Bereiche mit intensiver Badenutzung und ließ Randzonen unbeachtet. Und: Während die EU-Prüfer ihre Proben ab einem Meter Wassertiefe vor dem Strand entnehmen, prüfte der ADAC auch Stellen, die sonst unberücksichtigt bleiben wie etwa Flachwasser. „Denn gerade in diesen Gewässern, in über den Strand laufenden Rinnsalen und vom Meer abgetrennten Wasserbecken planschen Kinder gerne“, sagt Burkardt. Die ADAC-Wertungen könnten allerdings nicht auf die Wasserqualität des gesamten Strandes übertragen werden, hieß es.

Die Gründe der Verschmutzung habe man zwar nicht in jedem Fall ermittelt, so der ADAC. Jedoch gingen die Prüfer davon aus, dass neben Anschwemmungen von Schadstoffen vor allem Verschmutzungen durch Kläranlagen und Landwirtschaftsbetriebe im Hinterland für die schlechten Werte verantwortlich seien.

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