Welt : Weg vom Schirm

Karsten Speck, der Schauspieler, muss ins Gefängnis

Joachim Huber

Wegen millionenschwerer Betrügereien mit Immobilien und Grundstücken ist der Schauspieler und TV-Moderator Karsten Speck am Freitag vom Landgericht Dortmund zu zwei Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt worden. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass der 44-Jährige 1996 zusammen mit bereits verurteilten Komplizen in betrügerischer Absicht ein ostdeutsches Ehepaar in den Ruin getrieben hat. Speck hatte nach langem Schweigen in der vergangenen Woche überraschend gestanden, von den Vorgängen gewusst zu haben.

Das Verfahren hatte nahezu zwei Jahre gedauert. Speck, seine Ehefrau Cora und vier weitere Angeklagte hatten sich Mitte der 90er Jahre bei Immobiliengeschäften hoch verschuldet.

Die Staatsanwaltschaft warf ihnen vor, durch falsche Angaben über ihre Vermögensverhältnisse und gefälschte Unterschriften Banken, Leasing-Gesellschaften und Privatanleger in einem so genannten Schneeball-System um rund 20 Millionen Euro geprellt zu haben. Der Prozess gegen Ehefrau Cora war aus gesundheitlichen Gründen bereits abgetrennt und unterbrochen worden. Die 43-Jährige kam Mitte Oktober nach einem Nervenzusammenbruch in eine psychiatrische Klinik.

Staatsanwalt Ralph Steinert betonte in seinem Plädoyer, Speck sei zwar nicht der Haupttäter gewesen, habe aber „mit seinem Namen zum Gelingen des Komplottes beigetragen“. Den „guten Namen“ hatte Speck, er hatte ihn sich erarbeitet, in erster Linie durch die Auftritte und Rollen im Theater und noch mehr im Fernsehen, mit denen sich die Zuschauer ein Bild von diesem Schauspieler machen konnten.

Laut seiner eigenen Homepage sieht sich der in Schlemma im Erzgebirge geborene Sachse als „Schauspieler, Entertainer, Musiker“. Dafür hat er sich sehr gut ausbilden lassen. Anfang der 80er Jahre studierte er in Berlin an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“, später an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“, 1986 machte er seinen Abschluss zum Diplomschauspieler. Noch vor der Wende arbeitet er für das DDR-Fernsehen, nach der Wende schafft er es mühelos in das Fernsehen von ARD bis RTL und ZDF.

Wenn Speck auf seiner Homepage sagt, „er umfängt mit feinem Humor und lächelt dabei mit jungenhafter Natürlichkeit, nie aufdringlich, aber immer präsent und mit beiden Beinen im Leben“, dann ist schon klar, warum ihn das Unterhaltungsfernsehen engagiert, warum er Shows wie „Hollymünd“, die „Glücksspirale“, Galas zu Weihnachten und den „Miß World Deutschland“-Wettbewerb moderiert. Serien und Komödien, das sind die Genres, in denen Karsten Speck seine Fernsehrollen findet, oft in einzelnen Episoden für „Drei Damen vom Grill“ (ARD), „Kommissar Schimpanski“ (RTL), „Freunde fürs Leben“ (ZDF), seltener in der Hauptrolle.

Der Schauspieler Karsten Speck steht nicht für sagenhaften Erfolg, er steht für fortgesetzte Engagements, für sehr solide Schauspielerei. „Die persönliche Attraktivität von Karsten Speck schimmert unter jeder Rolle hervor. Das tut seine Wirkung“, steht unter www.karsten-speck.de geschrieben. Er hat einen Stich bei den Frauen.

Das Hin und Her zwischen Rollen für Serien, unauffälligen Filmen und freundlichen Moderationen findet mit der ZDF-Serie „Hallo Robbie“ erst einmal ein Ende. Zwar ist der eigentliche Star eine possierliche Seelöwin, aber der Leiter der Seehundstation Dr. Jens Lennart alias Speck macht daneben eine attraktive Figur. Es sind kleine, kinderfreundliche Abenteuer, die beide bestehen müssen. Die Quoten am Samstagabend steigen, bald sind fünf Millionen Zuschauer erreicht, „Hallo Robbie“ geht von einer Fortsetzung in die nächste. Jetzt ist die vierte Staffel abgedreht, sie wird ab März 2005 ausgestrahlt.

Das ZDF plant schon eine fünfte Staffel. Ob mit Karsten Speck, will der Sender noch nicht entscheiden. Möglich, dass der Schauspieler seine Haftstrafe im offenen Vollzug verbüßen kann – vielleicht gar vor der Kamera? Was bleibt: Karsten Speck ist im Bewusstsein der Zuschauer nicht länger der nette Mann von nebenan, sondern ein verurteilter Betrüger. Das weiß auch das ZDF.

0 Kommentare

Neuester Kommentar