Weihnachten : Medizin-Mythen stimmen nicht

Hilft Aspirin gegen Kater? Ist Essen vor dem Schlafengehen schädlich? Die Mediziner Rachel Vreeman und Aaron Carroll von der Indiana-Universität haben in der Weihnachtsausgabe des "British Medical Journal" zahlreiche Mythen in der Medizin widerlegt.

Hartmut Wewetzer
Caipirinha ist Modegetränk
Wer nicht zu viel trinkt, bekommt auch keinen Kater. -Foto: dpa

Der Kopf kühlt besonders schnell aus


Für den Winter haben viele Menschen vorgesorgt. Wenn die Temperaturen auf fünf bis zehn Grad über dem Gefrierpunkt sinken, mummeln sie sich ein, als ob ein mehrmonatiger Ausflug zum Nordpol bevorstünde. Wollpullover, dicke Mäntel, Wattejacken, Fellhandschuhe und Pelzstiefel werden übergezogen. Besonders schlimm trifft es die Kinder: Sie werden von ihren Müttern so eingepackt, dass zwischen der ganzen Wintergarderobe gerade noch ein Sehschlitz frei bleibt. Extrem stark verhüllt werden traditionell Kopf und Hals: Schals, Mützen, Kappen, Hüte und Kapuzen sollen dafür sorgen, dass kein Fitzelchen Kälte an die Haut gelangt. Dahinter steckt offenbar der Glaube, dass ein unbedecktes Haupt besonders viel Wärme abgibt und so den ganzen Körper auskühlen lässt.

Selbst in einem US-Armeehandbuch findet sich der Hinweis, dass bei kaltem Wetter „40 bis 45 Prozent der Körperwärme“ über den Kopf verloren gehen. Diese Aussage beruht vermutlich auf einer Fehlinterpretation einer Untersuchung, die in extremer Kälte erfolgte. „Wenn das wahr wäre, würde es keinen Unterschied machen, ob Menschen ohne Hosen oder ohne Hut bei Kälte auf die Straße gehen“, scherzen die Forscher. „Das ist offensichtlich nicht der Fall.“ Ihr Rat: Wenn es kühl wird, sollten Sie Ihren Körper schützen. Ob Sie Ihren Kopf bedecken, bleibt Ihnen überlassen.

Mehr Selbstmorde in der Weihnachtszeit

Ein weiterer Mythos der kalten Jahreszeit ist, dass während der Weihnachtstage die Zahl der Selbstmordfälle ansteigt. Statistisch belegt ist das nicht – es gibt sogar Hinweise, dass die Suizidrate an Weihnachten geringer ist. Gleiches gilt für die dunklen Wintermonate. Vielen Menschen mag es in dieser Zeit schlechter gehen. Aber die Zahl der Suizide ist weltweit in den warmen Monaten am höchsten und im Winter am niedrigsten.

Der Weihnachtsstern ist giftig

Der prächtige rotblättrige Advents- oder Weihnachtsstern darf in keiner Festtagsdekoration fehlen. Noch immer hält sich indes der Glaube, das Gewächs sei giftig. Eine Analyse der US-Vergiftungszentralen mit insgesamt mehr als 22 000 Fällen von Aufnahme der Pflanze belegt dagegen, dass der Weihnachtsstern eine ziemlich harmlose „Giftpflanze“ ist: Es gab keine Todesfälle, und 96 Prozent der Menschen brauchten überhaupt keine Behandlung. Auch nicht die 92 Kinder, die eine ganze Menge Weihnachtssterne gefuttert hatten.

Zucker macht Kinder hyperaktiv

Rund um Weihnachten essen die meisten Kinder mehr Süßigkeiten als zu jeder anderen Jahrszeit. Einer weit verbreiteten Annahme zufolge macht Zucker Kinder hyperaktiv. Einen wissenschaftlichen Beleg für diesen „Zuckermythos“ gibt es nicht. Es gibt keine Verhaltensunterschiede zwischen Kindern, die Zucker gegessen haben, und solchen, die das nicht taten. Eltern, die glauben, dass ihre Kinder zuckerhaltige Limonade getrunken haben, bewerten ihre Kinder danach als hyperaktiv – obwohl die Süße von Süßstoff herrührte. Die „Hyperaktivität“ fand also eher im Kopf der Eltern statt.

Nächtliches Essen macht dick

Weihnachten ist die Zeit der opulenten Abendessen. Hartnäckig hält sich der Glaube, dass nächtliches Essen besonders viel „Gewicht“ hat. Entscheidend für eine Gewichtszunahme ist aber nicht die Tageszeit, sondern die Kalorienmenge. Menschen werden dick, weil sie mehr Kalorien aufnehmen als sie verbrennen. Gefährdet sind vor allem Menschen, die mehr als drei Mahlzeiten am Tag zu sich nehmen.

Alkoholkater kann man kurieren

Für den Brummschädel nach einem feuchtfröhlichen Abend gibt es zahlreiche Hausmittel wie Aspirintabletten, Wassertrinken, Kaffee, Vitamine, Artischockenextrakt und vieles mehr. Aber das Votum der Wissenschaftler fällt klar aus: „Es gibt keinen Beweis dafür, dass irgendeine Vorbeugung oder ein Heilmittel für den Alkoholkater existiert“, schreiben sie. Die Ursache des Katers ist zu viel Alkohol: Wer ihm aus dem Weg gehen will, sollte weniger trinken oder ganz von Bier, Wein und Schnaps lassen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben