Weihnachtsfeiertage : Zwei Familientragödien erschüttern Bayern

Gleich zwei Familientragödien mit drei toten Kindern und einem toten Vater haben an Weihnachten Bayern erschüttert. Eine Regensburgerin erstickte ihre beiden Kinder, ein Münchner tötete seinen Sohn und dann sich selbst.

Beratzhausen/MünchenIm oberpfälzischer Beratzhausen bei Regensburg erstickte eine 37 Jahre alte Mutter am ersten Weihnachtsfeiertag ihre zwei und drei Jahre alten Jungen. Die Frau hat möglicherweise psychische Probleme. In München tötete ein 43 Jahre alter Vater seinen achtjährigen Sohn und dann sich selbst. "Hintergrund der Tat ist offensichtlich ein Sorgerechtsstreit um den Sohn", berichtete ein Polizeisprecher. Der Junge wurde am Dienstag im Haus des Informatikers tot auf der Couch neben dem Christbaum gefunden. Die Leiche des 43 Jahre alten Vaters lag im Bett des Sohnes.

Bayerns Justizministerin Beate Merk (CSU) verlangte schnelle Maßnahmen zum Schutz von Kindern. Die Kinder müssten ins Zentrum der Gesellschaftspolitik rücken. "Für mich ist es unfassbar, wie sich solche Dramen vor unser aller Augen abspielen können. Gerade der extreme Kontrast zwischen dem weihnachtlichen Frieden und diesen erschütternden Taten muss jeden wachrütteln", erklärte die Ministerin. Jeder Einzelne stehe in der Verantwortung, ein Wegschauen dürfe es nicht geben. "Auch auf Hinweise auf psychische Probleme muss reagiert werden, um diesen Menschen rechtzeitig helfen zu können."

Mutter war womöglich psychisch krank

Bei dem Drama in Beratzhausen schließt die Polizei nicht aus, dass die Frau psychisch krank ist. Die weiteren Ermittlungen sollten dies klären. Die Großmutter hatte die Leichen ihrer Enkel mehr als drei Stunden nach der Tat gefunden und die Polizei alarmiert. Die Eltern des Ehemannes wohnen im Erdgeschoss des Hauses, in dem die vierköpfige Familie unter dem Dach lebte. Die Großeltern wurden auf das Verbrechen aufmerksam, nachdem es in den Vormittagsstunden des ersten Weihnachtsfeiertages im Haus so ruhig war. Als die Großmutter hoch ging, fand sie die beiden toten Kleinkinder im Badezimmer. Die Mutter saß still in einem anderen Zimmer.

Die 37-Jährige legte bei den Vernehmungen ein umfassendes Geständnis ab. "Das Motiv liegt noch völlig im Dunkeln", sagte ein Polizeisprecher. Die Frau sollte dem Haftrichter vorgeführt werden. Ob sie dann in eine Psychiatrie eingewiesen wird, war noch unklar.

Streit um das Sorgerecht

Der 45 Jahre alte Vater hatte am frühen Dienstag die Wohnung verlassen, um in den benachbarten Landkreis Neumarkt an seine Arbeitsstelle zu fahren. Nach der Gewalttat wurde auch er vorübergehend von der Polizei festgenommen. Die Kripo geht allerdings inzwischen davon aus, dass er von dem Verbrechen nichts gewusst hat. Die Obduktion der zwei Leichen ergab, dass die Kinder an Gewaltanwendung gegen Hals und Gesicht gestorben sind. Nähere Angaben machten die Ermittler nicht.

Der Bürgermeister von Beratzhausen, Georg Thaler, zeigte sich schockiert über das grausame Geschehen. Bei den rund 5700 Einwohnern der Gemeinde herrsche große Betroffenheit, eine Tanzveranstaltung sei wegen der Gewalttat abgesagt worden, sagte der Bürgermeister.

Obduktion nach den Feiertagen

In München hatte der 43 Jahre alte Vater seinen Sohn über die Feiertage zu Besuch. Das Kind lebte sonst bei der Mutter. Der Mann hatte den Jungen am 21. Dezember abgeholt und sollte den Achtjährigen am ersten Weihnachtsfeiertag nachmittags zu der im Raum Rosenheim lebenden Mutter zurückbringen. Als dies nicht geschah und der Mann auch telefonisch nicht erreichbar war, verständigte die 41-Jährige die Polizei. Als Polizisten am Einfamilienhaus des Vaters klingelten und klopften, öffnete niemand. Die Beamten entdeckten dann durch ein Fenster die Leiche des Schülers im Wohnzimmer.

Später wurde der 43-Jährige tot mit einer Plastiktüte über dem Kopf im Bett des Sohnes im ersten Stock gefunden. Er hatte sich offenbar erstickt. In einer Mitteilung gab der Mann als Grund für die Tat den Streit um das Sorgerecht mit seiner Ex-Frau an. Bei dem Kind wurden keine äußeren Verletzungen festgestellt. Eine Obduktion soll voraussichtlich nach den Feiertagen nähere Erkenntnisse über die Todesursache bringen. (mist/dpa)

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