Weinbau : Kälteschock für die Reben

Nach der bescheidenen Ernte 2010 drohen den Winzern auch in diesem Jahr große Ernteausfälle – viele fürchten um ihre Existenz.

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Erfroren. Die jungen Triebe eines Spätburgunders in Unterfranken.
Erfroren. Die jungen Triebe eines Spätburgunders in Unterfranken.Foto: dpa

Die extrem kalten Nächte der vergangenen Woche haben im deutschen Weinbau offenbar großen Schaden angerichtet. Temperaturen von bis zu drei Grad minus in den Anbaugebieten haben einen großen Teil der Austriebe zerstört, je nach Lage und Rebsorte beklagen die Winzer Ausfälle zwischen 30 und 100 Prozent. Damit scheint sicher zu sein, dass nach der sehr kleinen Ernte 2010 im deutschen Weinbau schon wieder ein mengenmäßig stark unterdurchschnittlicher Jahrgang ansteht.

Die Situation ist vor allem deshalb so angespannt, weil das warme April-Wetter den Austrieb der Reben stark befördert hatte – der Vegetationsvorsprung betrug durchschnittlich mehr als zwei Wochen, die bereits weit vorgeschobenen Triebe, die nur minus ein Grad vertragen, waren praktisch schutzlos. Zudem waren vor allem junge Reben auch durch die große Trockenheit geschwächt. All das zusammen hat nun zu einer Lage geführt, wie sie schlimmer kaum denkbar ist. Von „Totalschaden“ sprechen viele der jungen Winzer, die sich per Facebook sofort über die Lage verständigt haben.

Die schwersten Schäden werden aus der Pfalz und Rheinhessen gemeldet. Die „Koblenzer Rheinzeitung“ zitiert Georg Hill vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum in Oppenheim, der in beiden Regionen mit einem Totalausfall auf Tausenden von Hektar rechnet. Nach seinen Angaben hat es vor allem den früh austreibenden und in dieser Phase besonders empfindlichen roten Dornfelder getroffen. An vielen Orten hätten sich am Boden „Kaltluftseen“ gebildet, weil der Wind in der Nacht eingeschlafen sei und so jede Durchmischung mit wärmerer Luft aus höheren Schichten ausblieb. Vergleichbar große Schäden habe es in Rheinhessen zuletzt 1997 gegeben, „ein Vierteljahrhundertereignis“.

Späte Rebsorten wie Riesling und Bacchus haben den Frost meist besser überstanden, wie Hermann Kolesch, Abteilungsleiter an der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim/Franken bestätigt. Doch was in Franken gilt, muss nicht für die Nahe gelten, wo überwiegend Riesling wächst. Der ist nun flächendeckend niedergefroren. „Auffällig, dass es besonders den Riesling getroffen hat“, sagt auch der Winzer Reinhard Schäfer aus Kleinbottwar/Württemberg, der Schäden von rund 60 Prozent beklagt. Schlimm sieht es auch im Taubertal aus. An der Mosel scheinen sich die Schäden vor allem auf die flachen Lagen zu beschränken.

Experten betonen, dass das ganze Ausmaß der Schäden erst nach und nach zutage treten wird. Abgesehen von den aktuellen Ausfällen kämpft die deutsche Weinbranche längst um ihre langfristigen wirtschaftlichen Perspektiven. Bittere Bilanz des rheinhessischen Winzers und Weinbloggers Dirk Würtz: „Das wird uns wieder einiges an Marktanteilen kosten. Langsam wird es eng…“

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