Welt : „Welcher Mensch macht so was?“ Trauer in Dortmund

nach Familientragödie.

Fassungslos. Anwohner haben Plüschtiere und dutzende Kerzen vor der ausgebrannten Wohnung niedergelegt. Foto: dpa
Fassungslos. Anwohner haben Plüschtiere und dutzende Kerzen vor der ausgebrannten Wohnung niedergelegt. Foto: dpaFoto: dpa

Dortmund - Fassungslos steht Karl Wickmann unter seinem Regenschirm vor dem mit rot-weißem Polizeiband abgesperrten Haus in der nördlichen Dortmunder Innenstadt. „Ich kann das nicht verstehen, kriege das nicht in den Kopf“, sagt er. Der Senior wohnt nur wenige Straßen von dem Unglückshaus in der Fichtestraße entfernt, in dem am Freitag drei Kinder nach einem Feuer Opfer eines schier unbegreiflichen Verbrechens wurden. Als dringend tatverdächtig gilt die verhaftete 29 Jahre alte Lebensgefährtin des Vaters. Sie soll dessen drei Kinder im Alter von vier, zehn und zwölf Jahren getötet und dann die Wohnung im Erdgeschoss angezündet haben. Das Feuer könnte der Polizei zufolge gelegt worden sein, um die Gewalttat zu verschleiern.

„Wer hier wohnt, kannte die drei Kinder. Glückliche, sympathische Kinder“, sagt Necati Ates, der ebenfalls in der Straße wohnt. „Welcher Mensch macht so was?“ Nach der Unruhe der vergangenen Tage ist es am Sonntag ganz still rund um das Haus mit der Nummer 18. Ab und zu dringt Töpfegeklapper aus den geöffneten Fenstern der Nachbarschaft. Die Blätter des Baumes vor dem Unglückshaus schützen die Kerzen vor dem Regen, die zur Erinnerung an die grausame Tat brennen. An seinem Stamm lehnt eine Sperrholzplatte, darauf mit breitem grünen Pinselstrich nur das eine Wort: „Warum“.

Warum die vier und zehn Jahre alten Jungen und ihre zwölfjährige Schwester sterben mussten, darauf haben die Ermittler noch keine Antwort. Die Lebensgefährtin des Vaters sitzt seit Samstag in Untersuchungshaft. Die leibliche Mutter der Geschwister war bei einem tragischen Unfall ums Leben gekommen, als der jüngste Sohn erst ein Jahr alt war. Seitdem seien die Kinder oft sich selbst überlassen gewesen, heißt es in den Tagen nach der Tragödie in einem Medienbericht.

Eigentlich hatten die drei Geschwister mit ihrem Vater im Obergeschoss des Mietshauses in der Dortmunder Nordstadt gewohnt – bis dort im Februar dieses Jahres ein Feuer ausgebrochen war. Zündelnde Kinder sollten den Brand gelegt haben, so das Ergebnis der Ermittlungen von damals. Doch auch darüber herrschten in der Nachbarschaft Zweifel, sagt Necati Ates. Die Tochter habe bestritten, dass sie und ihre Brüder die Flammen verursacht hatten, vor denen sich die Kinder damals retten konnten. dpa/dapd

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben