Welt der Tiere : Eine Luxusbleibe für das Huhn Lotte

Im Hamburger Marco-Polo-Tower hat das kinderlose Ehepaar Saller vor vielen Jahren ein Huhn aufgenommen. Das ist ein teurer Spaß. Susi Saller hat extra für Lotte ihren Job aufgegeben. Aber zum Glück verdient der Mann genug. Er ist Personalchef eines Großkonzerns.

Auf dem Eichenparkett. Lotte stakst durch das Wohnzimmer der Sallers.
Auf dem Eichenparkett. Lotte stakst durch das Wohnzimmer der Sallers.Foto: dapd

Eine maritime Brise weht Lotte um den Schnabel, es kann frisch werden im fünften Stock des Marco-Polo- Towers. Die Edelimmobilie in der Hamburger Hafen City beherbergt Wohnungen für Reiche – und ein Huhn. Seit mehr als vier Jahren lebt Lotte, braun gefiedert und gut gefüttert, beim Ehepaar Saller. Während sich der Blick auf die Elbe öffnet, unten Schiffe vorbeiziehen und Touristen durch die Straßen flanieren, stakst die Henne leise gackernd auf der Terrasse herum. Lotte muss mal.

„Sie ist absolut stubenrein“, sagt Susi Saller und trägt das Huhn nach verrichtetem Geschäft wieder in die Wohnung, wo sie es behutsam neben die Kochinsel auf den Boden setzt. Lotte interessiert weder, dass hier jeder der 118 Quadratmeter 8000 Euro kostet, noch dass sie auf edlem Eichenparkett spaziert. Das Huhn möchte zu seinem Lieblingsplatz – unter dem großen Esstisch – und sich ausruhen. „Es geht ihr nicht mehr so gut“, sagt Saller. Acht Jahre ist Lotte alt und hat die Lebenserwartung eines Haushuhns damit erreicht. Sie leidet zudem an Blutkrebs, Asthma und einem schwachen Herzen. „Früher“, sagt Saller, „war sie richtig lebhaft. Jetzt rechnen wir täglich mit ihrem Ableben“. Aber schon vor über vier Jahren, als die Henne in Nordfriesland im Garten des Paares auftauchte, waren ihre Tage eigentlich gezählt. „Schlachten wollte sie der Besitzer, da haben wir sie aufgenommen“, erinnert sich die 37-Jährige. Die Frau mit den halblangen dunklen Haaren hat schon viele Tiere in Not gerettet, Taube, Dackel, Igel, aber keines blieb so lange wie Lotte. Und keines hat die Sallers so viel gekostet wie ihr Huhn.

15 000 Euro zahlten sie an Gerichtskosten wegen eines Streits mit dem alten Vermieter – Tiere waren nicht erlaubt – und 1500 Euro für eine Operation am Legedarm. Nach der OP gaben die Ärzte Lotte nur wenige Tage zu leben. Das war vor drei Jahren. Die Henne lebt immer noch, kann aber seitdem keine Eier mehr legen. Regelmäßig kaufen die Sallers ihr deshalb ein frisches Bio-Ei, auf dem sie ihrem Brut-Bedürfnis nachkommen kann.

Seit Susi Saller das Huhn hat, geht die Industriekauffrau nicht mehr arbeiten. „Lotte kann nicht lange alleine sein“, sagt sie. Ihr Mann ist Personalleiter in einem Konzern. Manchmal geht die Hausfrau mit Lotte durch die Hafen City spazieren - zur Freude erstaunter Touristen. dapd

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