Weltall : Morgen auf dem Titan

Neues vom Saturnmond: Deutsche Forscher entdecken ein riesiges Meer, voll von flüssigem Erdgas.

Ralf Nestler

Nicht selten braucht es in der Wissenschaft neben Verstand auch eine Portion Glück. Das hatten jetzt deutsche Planetenforscher, als sie Aufnahmen der Raumsonde „Cassini“ vom Saturnmond Titan auswerteten. Der feine Schimmer, der sich auf ihren Monitoren zeigte, stellte sich als ein Spiegelung der aufgehenden Sonne auf einem See heraus.

Das Gewässer ist aber nicht mit Wasser gefüllt, sondern mit flüssigem Methan und Ethan. Bei uns auf der Erde sind die Verbindungen gasförmig, auf Titan jedoch ist es eisig kalt, so dass die Kohlenwasserstoffe flüssig sind.

Der See, der mit einer Fläche von 400 000 Quadratkilometern etwa so groß ist wie die Ostsee, befindet sich in der nördlichen Hemisphäre des Saturnmonds. Und die war für nahezu 15 Jahre in Dunkelheit gehüllt. Im Sommer hatte sich die Konstellation der Himmelskörper so weit geändert, dass erstmals wieder Sonnenlicht auf die Nordhalbkugel von Titan fiel. In dieser Dämmerungsphase war die Perspektive so günstig, dass die Aufnahme der Seespiegelung gelang. Mit bloßem Auge wäre sie nicht sichtbar, weil Titan eine größtenteils undurchsichtige Atmosphäre hat. Nur bestimmte Wellenlängen, in diesem Fall infrarotes Licht, kommen hindurch.

Einige Wellen wurden in rund 200 000 Kilometer Abstand von einem Spektrometer der Cassini-Sonde eingefangen, die ihre Messdaten zur Erde schickte. Daraus erstellten dann Wissenschaftler vom Institut für Planetenforschung im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Berlin-Adlershof die seltenen Dämmerungsaufnahmen.

Am heutigen Freitag wollen Ralf Jaumann und Katrin Stephan ihre Bilder auf einer Fachtagung in San Francisco vorstellen. Damit können sie erstmals die Existenz von Gewässern auf der Nordhalbkugel direkt bestätigen. Durch den Vergleich mit weiteren Radar- und Infrarotbildern aus früheren Jahren konnten die Wissenschaftler die Spiegelung dem vermuteten See „Kraken Mare“ nahe des Titan-Nordpols zuordnen.

Die ungewöhnlichen Seen des Saturnmonds werden immer wieder als potenzielle Heimat von Mikroorganismen gehandelt. Möglicherweise gewinnen die Mikroben ihre Energie aus Acetylen, einer weiteren Kohlenwasserstoffverbindung, die ebenfalls in den Seen vorkommt.

Neuen Auftrieb erhielt diese Spekulation, als französische Wissenschaftler kürzlich berichteten, dass diese Moleküle womöglich viel häufiger in den Titan-Gewässern anzutreffen sind als bisher gedacht. Das Team um Daniel Cordier beziffert ihre Konzentration von ehemals eins zu 10 000 auf eins zu 100. Eine vielversprechende Perspektive für Leben, finden die Forscher.

Der Nachweis steht allerdings noch aus und dürfte ziemlich schwierig sein. Titan ist viel zu weit von der Erde entfernt, um mit vorhandener Technik Astronauten zur „Bakterienjagd“ dorthin zu bringen.

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