Weltbevölkerungsbericht : Ohne Pille und Kondome

Die UN warnen: Der Mangel an Verhütungsmitteln für Frauen in armen Ländern hat verheerende Folgen.

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Genf - Mehr als 220 Millionen Frauen in den Entwicklungsländern verfügen nicht über moderne Verhütungsmittel, obwohl sie Schwangerschaften vermeiden wollen. Es ist ein Mangel mit verheerenden Konsequenzen: Ohne Pille und Kondome lässt sich das gefährliche Bevölkerungswachstum in Afrika und Teilen Asiens nicht bremsen. Und ohne Pille und Kondom sind viele Frauen dem Tod geweiht. Das geht aus dem Weltbevölkerungsbericht des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) hervor, der am Mittwoch in Genf veröffentlicht wurde.

„Familienplanung ist ein Menschenrecht“, unterstrich der Exekutiv-Direktor des UNFPA, Babatunde Osotimehin. „Viel zu viele Menschen können aber von diesem Recht nicht Gebrauch machen.“ Hätten alle Frauen in den armen Ländern die Pille und andere Verhütungsmittel, könnten pro Jahr etwa zwei Drittel der 80 Millionen ungewollten Schwangerschaften verhindert werden. Eine kleinere Geburtenrate würde viele Entwicklungsländer wirtschaftlich und sozial voranbringen. Familienplanung ist laut UNFPA „die wirksamste und kosteneffektivste Maßnahme zur Armutslinderung“.

Als Beispiel kann Tansania gelten. Die Frauen in dem bitterarmen ostafrikanischen Land bringen im Durchschnitt in ihrem Leben 5,5 Kinder zur Welt. Die Folge: Die Bevölkerung wächst und wächst und wächst. Lebten im Jahr 1988 noch 23 Millionen Menschen in Tansania, zählen die Demografen in diesem Jahr rund 47 Millionen Männer, Frauen und Kinder. Bis 2050 wird sich die Bevölkerungszahl laut UN wohl auf mehr als 80 Millionen Personen in Tansania erhöhen.

Der Kindersegen verwandelt sich in einen Albtraum: Schon heute werden viele Einwohner Tansanias nicht satt, haben keine Ausbildung und keinen Job. Rund zwei Drittel aller Tansanier müssen mit weniger als 1,25 US-Dollar pro Tag auskommen, etwa einem Euro. Auch die Frauen in anderen Staaten im Osten und im Westen Afrikas gebären im Durchschnitt um die fünf Kinder.

Die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung verweist auch auf die positiven Folgen der Verhütung für die Gesundheit: Hätten alle Frauen Zugang zu Pille und Kondomen, könnte das Leben von rund 80 000 ungewollt schwanger gewordenen Frauen gerettet werden. Sie sterben bei Komplikationen während der Schwangerschaft oder bei der Niederkunft.

Besonders gefährdet sind Mädchen, die ungewollt ein Kind austragen. „Bei schwangeren Mädchen unter 19 Jahren ist das Risiko der Müttersterblichkeit viermal höher als bei Frauen, die mindestens 20 Jahre alt sind“, erläutert die Stiftung Weltbevölkerung. Zudem: Könnten mehr Frauen das Ob und Wann einer Schwangerschaft beeinflussen, würde auch die Sterblichkeitsrate unter den Neugeborenen sinken.

Wie viel Geld ist nötig um allen Frauen, die verhüten wollen, die Möglichkeit zu geben? Die Experten des UN-Bevölkerungsfonds beziffern die Kosten auf 8,1 Milliarden US-Dollar (rund 6,4 Milliarden Euro) pro Jahr – für Verhütungsmittel wie Pille oder Kondom, Personal und Investitionen in die Gesundheitssysteme. Schon heute werden rund 4,1 Milliarden US-Dollar (rund 3,2 Milliarden Euro) pro Jahr für die Familienplanung in armen Ländern aufgebracht. UNFPA-Exekutiv-Direktor Babatunde Osotimehin versichert: „Jede zusätzliche Investition zahlt sich aus.“

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