Weltgesundheitsorganisation : Millionen Tote durch Umweltrisiken

Die Kindersterblichkeit ist laut WHO-Schätzungen weltweit zu zwei Dritteln umweltbedingt. Kinder leiden besonders unter verseuchtem Wasser und verschmutzter Luft.

Jan Dirk Herbermann

GenfDie Kindersterblichkeit ist weltweit zu zwei Dritteln umweltbedingt. Das sagte die beigeordnete Generaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Susanne Weber-Mosdorf, am Mittwoch in Wien bei einer Konferenz zum Einfluss von Umweltfaktoren auf die Gesundheit von Kindern. „Insbesondere die Kinder leiden unter und sterben an umweltbedingten Krankheiten“, sagte die Deutsche Weber-Monsdorf. „Es sind immer die gleichen Faktoren, nämlich wasserbedingte Krankheiten, Innenraum- und Luftverschmutzung.“

Eine gesündere Umwelt könnte nach WHO-Schätzungen insgesamt jährlich rund 13 Millionen Menschen das Leben retten. Beispielsweise empfiehlt die WHO den Schadstoffgehalt der Luft zu senken: Allein die saubere Luft könnte 865 000 Personen vor dem Umwelttod bewahren. In den armen Ländern leiden die Menschen besonders stark unter schädlichen Umwelteinflüssen. Zu den am schlimmsten betroffenen Staaten gehören den Angaben nach Angola, Burkina Faso, Mali und Afghanistan. Insgesamt verlieren die Menschen in den armen Ländern zwanzig Mal so viele Lebensjahre aufgrund negativer Umwelteinflüsse wie die Menschen in den wohlhabenden Ländern.

In 23 ärmeren Staaten der Welt sind laut den WHO-Recherchen zehn Prozent aller Todesfälle auf nur zwei Umweltrisiken zurückzuführen: verseuchtes Wasser einschließlich mangelnder Sanitärhygiene sowie verschmutzte Luft durch Herdfeuer im Haus. Am stärksten litten weltweit Kinder unter fünf Jahren, auf sie entfielen allein 74 Prozent aller Todesfälle wegen Durchfall- und Atmewegerkrankungen.

In der europäischen Region, zu der die WHO 53 Staaten zählt, ist die Kindersterblichkeit in Aserbaidschan am höchsten. Dort werden 90 von 1000 Kindern keine fünf Jahre alt. Die höchste Kindersterblichkeit der EU hat Rumänien mit 20 von 1000 Kindern unter fünf Jahren, gefolgt von Bulgarien (15), Lettland (11) und Litauen (10). In den übrigen EU-Ländern sterben 3 bis 8 von 1000 Kindern, bevor sie das fünfte Lebensjahr vollenden. Die Weltgesundheitsorganisation betont: Auch die Länder mit relativ hohem Umweltschutzstandards könnten durch noch intensivere Anstrengungen im Bereich Umweltschutz ein Sechstel aller Krankheiten verhindern.

Die WHO-Konferenz in Wien beschäftigt sich bis Freitag unter dem Motto „Die Zukunft unseren Kindern“ mit der gesundheitlichen Situation der Kinder in der europäischen Region. „Es ist ethisch inakzeptabel, dass in diesem reichen Teil der Welt Menschen an Krankheiten sterben, die eigentlich längst ausgerottet sind“, sagte der WHO-Direktor des Sonderprogramms Umwelt und Gesundheit, Roberto Bertollini, am Rande der Tagung.

Bei der Konferenz ziehen die Teilnehmer auf Grundlage des 2004 in Budapest beschlossenen Aktionsplans zur Reduzierung und Vermeidung umweltbedingter Erkrankungen bei Kindern Bilanz über bisherige Maßnahmen und tauschen Erfahrungen aus. Als vorrangige Ziele wurden dabei die gesicherte Versorgung mit sauberem Wasser und guten sanitären Anlagen sowie saubere Außen- und Innenraumluft, die Unfallverhütung, ausreichende Bewegung und die Vermeidung von Belastungen durch gefährliche Stoffe festgeschrieben.

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