Weltjugendtag : Hunderttausende Katholiken erobern Köln

Ein Meer von Fahnen vor dem Dom, Lieder auf allen Straßen und Willkommensumarmungen an jeder Ecke: Der XX. Weltjugendtag in Köln hat am Dienstag als Fest des Glaubens begonnen.

Köln/Bonn/Düsseldorf (16.08.2005, 21:30 Uhr) - Zum Auftakt versammelten sich mehr als 200.000 Pilger bei drei großen Gottesdiensten in Köln, Düsseldorf und Bonn. Das Treffen steht unter dem Motto «Wir sind gekommen, um IHN anzubeten». Der Kölner Kardinal Joachim Meisner betonte in seiner Predigt die Bedeutung des katholischen Glaubens: «Zu Jesus Christus gibt es keine Alternative.»

Bundespräsident Horst Köhler rief 50.000 Gläubigen im Kölner Fußballstadion, die ihn mit Jubel und Gesängen unterbrachen, zu: «Wir sind glücklich euch hier zu haben.» Der Weltjugendtag könne zur Völkerverständigung beitragen, sagte Köhler: «Nur gemeinsam können wir in unserer einen Welt Frieden schaffen und wahren, für Gerechtigkeit sorgen und unsere Umwelt schützen.»

Auch im Düsseldorfer Stadion versammelten sich 50.000 Pilger, im Bonner Hofgarten waren es 100.000. Viele der insgesamt 405.000 Pilger aus 197 Ländern fanden keinen Platz mehr bei den Großveranstaltungen und mussten die drei Eröffnungsgottesdienste an Großbildschirmen außerhalb der Stadien verfolgen. Jugendbischof Franz-Josef Bode sagte in Bonn, ein «Netzwerk des Heils und des Friedens» sei wichtig. Die Zusammenkunft der Pilger aus aller Welt sei eine «Demonstration für den Glauben, für die Liebe und für Gott.»

«Gott packt uns in der letzten Tiefe unseres Lebens, wenn er uns ruft», sagte Kardinal Karl Lehmann, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz in Düsseldorf. Zu diesem Ruf gehöre es auch, dass der Weg oft «zunächst in eine fremde und unbekannte Zukunft» führe, so wie auch viele Weltjugendtags-Pilger einen Weg in die Fremde auf sich genommen hätten. Schon zuvor hatte Lehmann gesagt, der Weltjugendtag zeige die Bedeutung der katholischen Kirche als Weltkirche: «Wir dürfen uns nicht in die Nischen zurückziehen. Wir müssen ein umfassendes öffentliches Zeugnis abgeben.»

Die Eröffnungsgottesdienste gingen nahtlos in Musikfestivals über. Höhepunkt des sechstätigen Weltjugendtags ist die Visite von Papst Benedikt XVI. «Wir warten auf dich», rief Meisner dem Papst bei der Eröffnungsmesse zu. Benedikt XVI. kommt am Donnerstag und feiert am Sonntag die Abschlussmesse vor 800 000 erwarteten Gläubigen. Auf dem Programm des Papstes stehen unter anderem ein Besuch in der Synagoge der Kölner jüdischen Gemeinde und Gespräche mit Protestanten und Muslimen.

Papst Benedikt XVI. wird nach Aussage Lehmanns keine neue Initiative zur Annäherung an die protestantischen Kirchen starten. «Das kann der Papst nicht hier machen», sagte Lehmann. Er sei aber sicher, dass der neue Papst den Weg der Ökumene fortsetzen werde. Der Besuch in Köln gelte jedoch dem Weltjugendtag.

Als ein kontroverses Thema zwischen Jugend und Amtskirche zeichnete sich schon am Dienstag die Sexualethik ab. Kardinal Lehmann warnte in einem WDR-Interview, die katholische Kirche laufe Gefahr, in einem wichtigen Bereich des menschlichen Lebens nicht mehr gehört zu werden und abgemeldet zu sein. Es sei nötig, die Begründung für die Verbote plausibler zu machen.

Viele junge Pilger sagten, sie seien für spirituelle Erlebnisse nach Köln gekommen, hätten mit einigen Positionen der Kirche zu Sexualmoral oder Frauenpriestertum aber Probleme. «Ich glaube nicht, dass in meiner Generation viele den erhobenen Zeigefinger beachten», meinte Amy (22) aus Irland. Außerdem sollten auch Frauen Priester werden dürfen. «Die Lehren der Kirche sind für mich wie ein Buffet, von dem ich mir aussuche, was mir liegt», sagte Caroline (24) aus der Karibik.

Schwule und lesbische Organisationen verlangten vom Papst einen offenen Dialog über Homosexualität. Dazu sagte Heiner Koch, Generalsekretär des Weltjugendtags: «Ich würde mir wünschen, dass sich das Verhältnis entspannt, ohne dass man erwartet, dass die Kirche ihre grundsätzliche Überzeugung verrät.» Der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle rief die katholische Kirche zur Liberalisierung ihrer Haltung bei Verhütung und Aids-Bekämpfung auf.

Die Weltjugendtags-Pilger kommen aus fast allen Ländern der Welt, von Argentinien bis Zypern. Die Zahl der Anmeldungen sei mit 405.000 höher als bei jedem anderen Weltjugendtag, sagte Meisner. «Die große Welt ist in Deutschland angekommen», fügte Jugendbischof Franz-Josef Bode hinzu. Die größte Pilgergruppe stellt Italien mit 100.000 Pilgern. Allein aus Deutschland kommen außerdem mehr als 20.000 freiwillige Helfer. 9800 Priester, 759 Bischöfe, davon 60 Kardinäle, sind in Köln. 7700 Journalisten berichten über das Ereignis. (tso)

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