Weltraum : ISS hat ein Problem mit Urin-Recycling

Das klingt nicht gut: An Bord der Internationalen Raumstation ISS soll aus Urin, Schweiß und Kondenswasser der Atemluft Trinkwasser gewonnen werden. Aber das Gerät funktioniert nicht richtig.

WashingtonEin Problem mit einer High-Tech-Recyclinganlage für Urin an Bord der Internationalen Raumstation ISS bereitet der Nasa Kopfzerbrechen. Der derzeit angekoppelte Space Shuttle "Endeavour" hatte das Gerät mitgebracht, das Urin, Schweiß und Kondenswasser der Atemluft in Trinkwasser umwandeln soll. Damit sollen die ISS-Dauerbewohner unabhängiger von der Versorgung von der Erde werden. Nach Nasa-Angaben schaltete sich das System bei Tests aber zwei Mal von selbst ab.

Während Experten in der Bodenzentrale in Houston (Texas) und Astronauten in der Station nach der Ursache forschten, stiegen zwei "Endeavour"-Crewmitglieder am Samstag zum dritten von insgesamt vier Außenbordeinsätzen ins All aus. Hauptaufgabe von Heidemarie Stefanyshyn-Piper und Steve Bowen war die Fortsetzung von Reparaturarbeiten am defekten Drehgelenk eines Sonnensegels. Metallspäne hatten seit einem Jahr die Bewegungsfähigkeit eingeschränkt, so dass sich der Solarflügel nicht mehr richtig zur Sonne ausrichten kann.

Die beiden Raumfahrer wollten bei ihrem gut siebenstündigen Einsatz, der 45 Minuten früher als geplant begann, das Gelenk weiter säubern und schmieren sowie einzelne Teile austauschen. Die Nasa hofft, dass die Reparaturarbeiten bei diesem dritten Einsatz beendet werden können.

Zeit zur Gewinnung von Trinkwasser-Proben

Zur nicht funktionierenden Urin-Recyclinganlage hieß es, dass es sich um ein Problem mit einem Sensor handeln könnte, der mit einer Zentrifuge an einem Destillationsteil des Systems verbunden ist. In diesem Fall besteht Experten zufolge die Hoffnung, dass das Problem in den kommenden Tagen behoben werden kann. Das ließe Zeit zur Gewinnung von Trinkwasser-Proben, die dann mit dem Shuttle für Untersuchungen auf die Erde gebracht werden sollen. Die Nasa schloss aber auch nicht aus, die auf ursprünglich 15 Tage angesetzte Mission der "Endeavour" notfalls um einen Tag zu verlängern.

Hauptaufgabe der angereisten Astronauten sind Arbeiten zur Erweiterung der ISS. Künftig sollen dort sechs - statt bisher drei - Langzeitbewohner untergebracht werden können. So gehören zu den Fertigbauteilen, die der Shuttle mitgebracht hat, eine zusätzliche Toilette und Einrichtungsgegenstände für zwei weitere Schlafräume. Zur ausreichenden Stromversorgung ist nach der Erweiterung ein einwandfreies Funktionieren der Sonnensegel mehr denn je nötig. Deshalb sollen Astronauten auch bei einem für Montag geplanten vierten Außeneinsatz ein doppeltes Drehgelenk für Solarflügel warten. Bisher funktioniert es problemlos. (mpr/dpa)

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