Weltraum-Tourismus : Google-Mitbegründer plant Urlaub im All

Weltraumtouristen fristen ein eher vernachlässigtes Dasein: Lediglich als Beifahrer dürfen sie bislang in All fliegen. Doch nun will die russische Raumfahrtbehörde den Weltraum-Tourismus ankurbeln - sie plant eigens ein Urlauber-Raumschiff. Der erste Kunde steht schon fest: Google-Mitbegründer Sergej Brin.

New YorkDie touristische Erschließung der Weltalls hat die nächste Etappe erreicht: Mit einem Unternehmen in den USA will die russische Raumfahrtbehörde im Jahr 2011 die erste rein private Weltraum-Mission starten. Für die Reise solle eigens eine Sojus-Kapsel gebaut werden, in der neben dem Piloten Platz für zwei zahlende Passagiere sei, teilte die US-Firma Space Adventures mit. Mit einer Anzahlung von fünf Millionen Dollar sicherte sich der US-Internetunternehmer Sergey Brin einen Platz in der Urlaubs-Sojus. Rein wissenschaftliche Ziele verfolgt hingegen das jüngste Projekt der Nasa: Die US-Weltraumbehörde schickte am Mittwoch ihr Teleskop Glast ins All, wo es die Tiefen des Weltraums ins Visier nehmen soll.

Der von Space Adventure vermarktete Sojus-Flug ist der erste, der allein zu touristischen Zwecken veranstaltet wird. Bislang wurden zahlende Weltraumtouristen von der russischen Raumfahrtbehörde nur als Beifahrer regulärer All-Missionen geduldet. "Das Sojus-Raumschiff wird speziell für diese Mission gefertigt und hat nichts mit den anderen Sojus-Gefährten zu tun, die Material zur Raumstation ISS transportieren", teilte das im US-Bundesstaat Virginia ansässige Unternehmen Space Adventures mit.

Zweiter Käufer noch gesucht

Erster Käufer für ein Flugticket ist der Mitbegründer des Internet-Konzerns Google, Sergey Brin. "Ich glaube fest an die Erkundung und kommerzielle Entwicklung des Weltalls", erklärte der Multimillionär. Space Adventures hatte im Jahr 2001 den ersten Weltraumtouristen, den US-Bürger Dennis Tito, an Bord einer Sojus-Kapsel zur ISS bringen lassen. Ihm folgten bislang vier weitere Weltraumurlauber: Mark Shuttleworth (2002), Greg Olson (2005), Anousheh Ansari (2006) und Charles Simonyi (2007). Sie hatten jeweils etwa 20 Millionen Dollar gezahlt.

Einen Käufer für das zweite Ticket für die Sojus-Mission 2011 gibt es bislang noch nicht. Zielgruppe für den Platz neben Brin seien "erfolgreiche Konzernchefs, Manager, Investoren und Unternehmer, die die Option auf ein einmaliges Erlebnis nutzen wollen", sagte Space-Adventures-Chef Eric Anderson.

Die US-Weltraumbehörde Nasa bereitete sich unterdessen auf einen neuen Blick ins All vor. Am Mittwoch schickte sie das bislang modernste Gammateleskop ins Weltall, wo es rätselhafte Phänomene wie Schwarze Löcher, Dunkle Materie und Sternenexplosionen unter die Lupe nehmen soll. An Bord einer Trägerrakete des Typs "Delta" trat das Teleskop Glast (Gamma-ray Large Area Space Telescope) um 18.05 Uhr (MESZ) vom Raumfahrtzentrum Cape Canaveral in Florida seine Reise ins All an, wo es in einer Umlaufbahn von 565 Kilometern über der Erde seine Arbeit aufnehmen sollte.

Teleskop soll Weltraumphänomene erforschen

Die wichtigste Aufgabe von Glast ist es, Gammastrahlen sichtbar zu machen, die von der Erde aus nicht sichtbar sind. Von den Befunden erhofft sich die Nasa neue Erkenntnisse über Energiequellen im All, die Entstehung des Universums und die so genannte Dunkle Materie, die wohl 25 Prozent des Universums ausmacht, bislang aber kaum erforscht ist. Das 690 Millionen Dollar teure und zu etwa 90 Prozent von den USA finanzierte Projekt ist das Ergebnis internationaler Zusammenarbeit. Auch das Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik in Garching bei München ist daran beteiligt.

Während sich Glast auf die Reise ins All befand, war die Besatzung der US-Raumfähre "Discovery" bereits wieder auf dem Rückweg zur Erde. Die "Discovery" dockte wie geplant am Mittwoch um 13.42 Uhr MESZ in 344 Kilometern Höhe über dem Süd-Pazifik von der Raumstation ISS ab, wie die Nasa mitteilte. Die Landung der Raumfähre am Kennedy Space Center in Florida ist für Samstag geplant. Hauptauftrag der insgesamt 14-tägigen Weltraum-Mission war es, das Hauptmodul des japanischen Weltraumlabors "Kibo" an der ISS zu montieren. (nim/AFP)

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