Welt : Weltraumfähre Atlantis: Die Reise ins Ungewisse

Thomas Müller

Selten hatte die NASA einem Start der Weltraumfähre Atlantis mehr entgegen gefiebert und selten war das Aufatmen nach dem erfolgreichen Abheben mehr zu spüren: Mit dem Forschungslabor Destiny bringt das Shuttle das bisher teuerste und wichtigste Modul für die Internationale Raumstation ISS ins All. Der Name "Destiny" (Schicksal) scheint nicht zufällig gewählt: Geht beim Andocken des knapp drei Milliarden Mark teuren Forschungslabors etwas schief, wäre dies für die NASA und ihre Partner ein herber Rückschlag, der den Ausbau der Station um Jahre zurückwerfen würde.

"Ohne das Labor können wir mit den nächsten Missionen nicht fortfahren", sagt NASA-Flugdirektor Robert Castle. Das knapp neun Meter lange silberfarbene Modul in Form einer riesigen Cola-Dose soll das Nervenzentrum der gesamten Station sein. Über die superschnellen Computer an Bord kann die NASA-Bodenstation künftig deutlich besser mit den Bewohnern der Station kommunizieren und den Koloss im All leichter steuern. Damit erhält die NASA mehr Kontrolle über die Raumstation, deren tägliche Operationen bisher von der russischen Raumfahrtbehörde gelenkt wurden. Zudem erzeugen die Geräte an Bord der Destiny zusätzliche Energie für die künftigen Anbauteile, darunter auch das europäische "Columbus"-Modul.

Heute soll die Atlantis an die Raumfahrtstation andocken. Dann beginnt für die Astronauten die schwierige Aufgabe, das Modul mit der Station zu verbinden. Für das komplizierte Manöver sind drei Außeneinsätze der Shuttle-Besatzung geplan. Über den Nutzen der milliardenteuren Versuche ist mit dem Transport des Forschungslabors eine neue Diskussion entbrannt. Während die NASA von einem Quantensprung in der wissenschaftlichen Forschung spricht, weisen Kritiker vor allem auf die immensen Kosten der Forschung im All hin, die bisher kaum Ergebnisse gebracht habe. Alle Versuche an Bord der verschiedenen Shuttles oder der russischen Raumstation Mir hätten in keinem Bereich einen entscheidenden Durchbruch gebracht.

Mit dem US-Weltraumlabor werden auch eine Reihe europäischer Forschungseinrichtungen in der ISS-Raumstation installiert. Damit haben die Europäer Experten zufolge einen gehörigen Anteil an den zu erwartenden wissenschaftlichen Erkenntnissen. Ein Tauschabkommen zwischen der Europäischen Weltraumbehörde ESA und ihrem amerikanischen Pendant NASA gesteht den Europäern die Nutzung des US-Labor-Moduls zu. Im Gegenzug statte die ESA "Destiny" mit so genannter Hardware aus. Als einen der wichtigsten europäischen Beiträge zum "Destiny"-Labor gilt ein "modulares Kultivierungssystem". Auf Grund der Schwerelosigkeit können sich Zellkulturen dort besonders gut entwickeln. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse könnten, so hoffen die Wissenschafter, langfristig bei dabei helfen, künstliche Zellen zu entwickeln, die beispielsweise als Hautersatz nach Verbrennungen eingesetzt werden.

Beeindruckt zeigten sich Beobachter schon mal von dem spektakulären Sonnenuntergang und dem aufgehendem Vollmond, der während des Startvorgangs des Shuttles herrschte: "Das ist ein gutes Omen dafür, wie großartig diese Sache wird", sagte ein Mitglied der Bodencrew.

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