Weltraumflug : "Discovery"-Start trotz Panne

Trotz eines Problems mit dem Hitzeschild soll die US-Raumfähre "Discovery" wie geplant heute starten. Der Schaden sei inzwischen repariert, sagte die Nasa.

Washington (13.07.2005, 11:45 Uhr) - Kurz vor dem geplanten Shuttle-Start hat eine Panne mit dem Hitzeschild der US-Raumfähre "Discovery" die Nasa in Aufregung versetzt. Die US-Weltraumbehörde bestätigte in Washington Probleme, sprach aber von keiner Gefahr für Fähre und Besatzung. Der Schaden sei behoben. «Wir sind zurück im Zeitplan», sagte ein Nasa- Sprecher mit Blick auf den Abflugtermin um 21.51 Uhr MESZ am Mittwoch.

Die Astronauten sollen unter anderem den lang erwarteten Nachschub sowie Ersatzteile zur Internationalen Raumstation ISS bringen. Die Raumfahrbehörden der USA und Europas, Nasa und Esa, setzen große Hoffnungen in die Mission.

Mit der «Discovery» soll erstmals nach dem «Columbia»-Absturz wieder eine US-Raumfähre starten. Etwa 24 Stunden vor dem Start war die Plastikverkleidung eines Cockpitfensters abgefallen und hatte Kacheln beschädigt, die das Shuttle vor der enormen Hitze beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre schützen sollen. Betroffen von dem Zwischenfall an der Startrampe war der Bereich am Heck der Fähre mit dem Steuersystem.

Ein Schaden am Hitzeschild, der von einem beim Start herabfallenden Teil der Fähre verursacht worden sein soll, gilt auch als Ursache für den Absturz der «Columbia». Bei dem Unglück am 1. Februar 2003 waren alle sieben Astronauten ums Leben gekommen.

Mit besonderem Interesse wird der deutsche Astronaut Thomas Reiter den Flug der «Discovery» verfolgen. Denn vom Erfolg der zwölftägigen Mission hängt auch ab, ob Reiter im September zur ISS fliegen und dort als erster Europäer einen Langzeitaufenthalt absolvieren wird.

Bei klarem Wetter sollte die «Discovery» schon kurz nach ihrem Start von Florida aus auch am Himmel über Deutschland, Österreich und der Schweiz beobachtet werden können. Gegen 22.10 Uhr MESZ sollte die Raumfähre aus dem Westen als hell leuchtendes Flugobjekt auftauchen und um 22.14 Uhr MESZ gegen Osten verschwinden. Nach dem Nasa-Timing sollte genau zu dieser Zeit der große Tank des Shuttle abgesprengt werden.

Für die Nasa bedeute der Start einen wichtigen Neuanfang, sagte der aus Deutschland stammende Nasa-Direktor Jesco von Puttkamer. Würde der Start nicht gewagt, verzögerten sich die wissenschaftlichen Forschungsprojekte der internationalen Raumstation ISS und geplante Reisen zum Mond und zum Mars. Der Manager räumte ein, ein gewisses Risiko, das Unvorhergesehenes eintritt, sei immer vorhanden. Das Interview wurde nach Angaben des Deutschlandradio Kultur vor Bekanntwerden des Zwischenfalls auf der Startrampe aufgenommen.

Auch Esa-Programmchef Daniel Sacotte sagte in Frankreich, mit dem Erfolg des Fluges seien die «Zukunft der bemannten Raumfahrt und insbesondere die der internationalen Raumstation verbunden». Der französische Astronaut Patrick Baudry und der frühere NASA-Historiker Prof. Alex Roland forderten dagegen die Einstellung der Shuttle-Flüge und der Raumstation. «Wir müssen zurück auf den Mond und dort eine ständige Station einrichten», satte Baudry. Dort lagerten wichtige Rohstoffe. Roland erinnerte daran, dass eine US-Kommission die Raumfähre als «zu zerbrechlich und zu teuer» bezeichnet habe. (tso)

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