Weltraumteleskop "Planck" : Postkarte vom Universum

So deutlich hat man die Kindheit unseres Universums noch nie gesehen: Das europäische Weltraumteleskop "Planck" schickt von seiner Reise durchs All ein erstes Bild.

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Blick in die Vergangenheit. Die Mikrowellenstrahlung des Komsos, aufgenommen von „Planck“, soll Forschern weitere Hinweise auf die Frühzeit des Universums geben.
Blick in die Vergangenheit. Die Mikrowellenstrahlung des Komsos, aufgenommen von „Planck“, soll Forschern weitere Hinweise auf die...Foto: dpa

Die europäische Raumfahrtbehörde Esa hat jetzt das erste vollständige Bild des Kosmos vorgestellt, das mit dem Weltraumteleskops „Planck“ aufgenommen wurde.

Anders als ein Fotoapparat, der sichtbare Lichtwellen registriert, hat das Teleskop Mikrowellen in neun verschiedenen Frequenzbereichen aufgezeichnet. Erst mit Hilfe eines Computers wurden die für Menschen unsichtbaren Wellen in ein farbiges Bild „übersetzt“.

Es zeigt „das Echo des Urknalls“, wie manche Astrophysiker sagen, die frühestmöglichen Informationen über unser Universum. Den „Big Bang“ an sich, der vor rund 13,7 Milliarden Jahren Materie, Raum und Zeit hervorbrachte, lässt sich nicht abbilden. Das frühe Universum war so heiß, dass kein Lichtstrahl durchkam. 300 000 Jahre später war es soweit abgekühlt, dass es für elektromagnetische Strahlung – zu der auch Licht gehört – durchsichtig wurde. Auf ihrer Reise durch die Jahrmilliarden veränderten sich die Lichtteilchen: Aufgrund der Ausdehnung des Alls kühlten sie ab und ihre Wellenlänge nahm zu. Deshalb müssen die Astronomen das älteste Licht des Universums heute im Spektrum der Mikrowellen suchen, die Temperatur der Photonen ist mittlerweile auf nicht mal drei Grad über dem absoluten Nullpunkt gefallen.

Für solche Messungen wurde das nach dem deutschen Physiker und Nobelpreisträger Max Planck benannte Teleskop konstruiert und im Mai 2009 ins All geschossen. Um die empfindlichen Messgeräte – sie können Temperaturschwankungen von etwa einem Millionstel Grad unterscheiden – vor der Sonnenstrahlung zu schützen, wurde das Teleskop am Lagrange-Punkt 2 positioniert. Der befindet sich im Schatten der Erde, etwa eineinhalb Millionen Kilometer entfernt.

Nach einigen Detailaufnahmen ist nun die erste komplette Himmelskarte fertig. Der helle Streifen in der Mitte markiert die Mikrowellenstrahlung unserer Galaxie, flankiert von Bändern aus kaltem Staub. Sieht schön aus, aber die Strahlung ist relativ jung und überdeckt die Hintergrundstrahlung, nach der die Forscher eigentlich suchen. Nun gilt es, mit Hilfe von Computern, die Milchstraße „heraus zu retuschieren“, um das Echo des Urknalls sichtbar zu machen. An der Bildober- und -unterkante ist es bereits zu sehen. Die kleinen Flecken markieren winzige Temperaturunterschiede, die auf unterschiedliche Materiedichte im frühen Kosmos verweisen: Kleine Unregelmäßigkeiten, aus denen später die Galaxien hervorgingen. Gewissermaßen die „Saatkörner“ des Universums.

Solche Bilder, mit denen die Forscher das Werden unseres Universums weiter entschlüsseln wollen, hatte bereits eine US-Sonde geliefert. Planck blickt jedoch viel genauer in die Frühzeit des Kosmos. Und das noch zwei Jahre lang.

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