Weltraumtouristin : Die Erde hat sie wieder

Das Abenteuer der überglücklichen Anousheh Ansari ist beendet. Die Weltraumtouristin ist am Morgen von der Internationalen Raumstation ISS sicher auf die Erde zurückgekehrt.

Berlin/Moskau - Standesgemäß wurde die US-Millionärin Anousheh Ansari als erste Weltraumtouristin in der kasachischen Steppe mit einem großen Strauß roter Rosen begrüßt. Die 40-jährige Amerikanerin iranischer Abstammung war nach ihrem einwöchigen Ausflug zur Internationalen Raumstation ISS pünktlich um 03.13 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit (MESZ) mit der "Sojus TMA-8"-Kapsel gelandet. Zusammen mit Kommandant Pawel Winogradow (Russland) und ihrem amerikanischen Landsmann Jeffrey Williams wurde sie von Familie und Freunden am Landeort etwa 87 Kilometer nördlich der Stadt Arkalyk freudig erwartet.

Knapp dreieinhalb Stunden vorher hatte sich das Trio von der neuen ISS-Stammbesatzung mit Michael Lopez-Alegria (USA), Michail Tjurin (Russland) und Thomas Reiter (Deutschland) herzlich verabschiedet. Anousheh Ansari und ihre männlichen Profi-Kollegen hätten "den Abstieg und die Landung normal überstanden", teilte ein Vertreter des Bergungsdienstes im Flugleitzentrum in Koroljow bei Moskau mit. "Die Stimmung ist gut", sagte er.

Thomas Reiter bleibt noch bis Dezember auf der ISS

Die Millionärin hatte den Russen für ihren einwöchigen Ausflug 20 Millionen Dollar gezahlt. Dafür konnte sie durch die ISS-Bullaugen den einmaligen Blick auf unseren Blauen Planeten genießen. Nebenbei führte sie mehrere wissenschaftliche Experimente für die Europäische Weltraumorganisation Esa durch. Winogradow und Williams hatten seit April als 13. Stammbesatzung in der Station gearbeitet. Ab Juli stand ihnen dabei der deutsche Esa-Astronaut Reiter als zweiter Bordingenieur zur Seite. Mitte September hatten die Männer die US-Raumfähre "Atlantis", die neue Sonnenbatterien auf die Umlaufbahn brachte, und die "Sojus TMA-9"-Kapsel mit ihrer Ablösung empfangen. Lopez-Alegria und Tjurin haben inzwischen für ein halbes Jahr die Wache in der ISS übernommen. Reiter bleibt noch bis Dezember im All und wird dann mit dem US-Shuttle "Discovery" nach Hause fliegen.

Russen wollen Preise für Weltraumtouristen erhöhen

Die russische Raumfahrtagentur Roskosmos hat die glückliche Landung von Anousheh Ansari genutzt, um die Erhöhung der Preise für Weltraumtouristen anzukündigen. Sie könnten bald auf über 21,8 Millionen Dollar ansteigen, sagte der Chef für bemannte Weltraumprogramme, Alexej Krasnow. Er machte dafür nach Angaben der Nachrichtenagentur RIA Nowosti die "weltweite Inflation" geltend.

"Wir alle leben in einer realen Welt, und die Kosmosbranche befindet sich auch nicht im Vakuum", wird Krasnow zitiert. Auch Russland sei "voll" von den Weltmarktpreisen abhängig. Krasnow kann seine Forderungen freilich von einer starken Position aus stellen. Denn trotz der astronomischen Preise stehen betuchte Weltraumtouristen bei den Russen Schlange. Noch am Freitag wollte Roskosmos den Vertrag über den Flug des ersten malaysischen Astronauten für 2007 zur ISS unterzeichnen. Danach nehmen zwei Anwärter im "Sternenstädtchen" (Star City) bei Moskau das Training auf. Weitere Weltraumtouristen aus den USA, Südkorea und anderen Staaten sitzen zudem in den Startlöchern.

Gern würden sich die Russen mit ihren Millionen die Kassen füllen, aber pro Jahr können sie nur zwei Plätze in ihren engen "Sojus"-Kapseln verkaufen. An größeren Raumschiffen wird zwar schon gearbeitet. Doch bis die zur Verfügung stehen, wird noch einige Zeit ins Land gehen.

(Von Gerhard Kowalski, ddp)

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