Welt : Weltrekordversuch: Ein Mann gibt nicht auf

Steve Fossett (57) lässt sich nicht unterkriegen. Mit einem Bilderbuchstart ist der amerikanische Multimillionär und Abenteurer am Sonntag im westaustralischen Northam zu seinem sechsten Versuch aufgebrochen, als erster Mensch alleine die Welt im Ballon zu umrunden. 15 bis 18 Tage soll seine Reise in einer kleinen, gelben Kapsel dauern, die Fossett immer Richtung Osten führt. Erst im Juni war sein letzter Versuch gescheitert, als der Ballon mit Namen "Solo Spirit" von einer Windböe erfasst und zerfetzt wurde.

Unter dem Beifall von Fans hob sich im Morgennebel die 50 Meter hohe, silbrige Hülle langsam in den Himmel. "Erst ging es ganz gemächlich, dann hat er die Brenner aufgedreht und ganz schnell Höhe gewonnen", beschrieb ein Mitglied der Bodenmannschaft das Manöver. Fossett weiß nun genau, was zu tun ist: "In der ersten Nacht muss ich die Ausrüstung überprüfen, ob der Ballon leckt, ob die Kommunikationstechnik funktioniert und vor allem, ob die Kabinenheizung geht", erläuterte er kurz vor dem Start, rund 100 Kilometer östlich der westaustralischen Metropole Perth.

Zunächst sollte der Ballon auf 6400 Meter steigen. Seine Reiseflughöhe liegt bei 8200 Meter. Dort will Fossett negativen Wettereinflüssen entgehen und günstige Luftströmungen ausnutzen, die sein Fluggerät auf bis zu 210 Kilometer pro Stunde beschleunigen können. Viel Platz hat der Abenteurer nicht: Gerade einmal eine Grundfläche von etwa zweieinhalb auf einen Meter bietet die Kapsel, die im Fall einer Notwasserung automatisch zum Rettungsfloß wird. Karg ist auch die Ernährung. Zu Essen gibt es Armeerationen, die mit einem chemischen Verfahren erhitzt werden.

Doch der stämmige 57-Jährige ist einiges gewöhnt. Durch Börsengeschäfte zum Millionär geworden, vertrieb sich Fossett die Zeit, indem er etwa den Mount Everest bestieg, durch den Englischen Kanal schwamm oder in Alaska erfolgreich ein Hundeschlittenrennen über 1864 Kilometer absolvierte. Seit zehn Jahren treibt ihn der Traum von der Weltumrundung im Ballon um - anfangs mit falschen Vorstellungen, wie er heute einräumt: "Zuerst habe ich gedacht, man muss sich nur die richtige Ausrüstung beschaffen, sie in die Luft bringen und der Rest wird dann schon irgendwie gehen."

Bittere Erfahrung lehrte ihn etwas anderes: Nach seinem fünften Versuch im Juni galt der Mann aus Chicago als Bruchpilot unter den den Extrem-Ballonfahrern. 1997 landete er in einem Feld in Indien, nachdem er in St. Louis (USA) gestartet war - immerhin ein Weiten-Weltrekord. Im August 1998 hätte er es fast geschafft, als Erster die Erde im Ballon zu umrunden. Er stieg in Argentinien auf, überquerte Afrika und Australien, bevor ihn ein Gewitter östlich des fünften Kontinents zur Notlandung aus 10 000 Metern Höhe zwang. Das riskante Manöver hätte ihn beinahe das Leben gekostet.

Geht diesmal alles nach Plan, braucht die "Solo Spirit" nach dem Start rund 36 Stunden bis zur australischen Ostküste, anschließend geht es über den Pazifik. Nach dem Luftraum über Chile und Argentinien steht die Weite des Atlantiks auf dem Programm, ein kurzer Überlandflug über Südafrika und die Rückkehr nach Australien über den Indischen Ozean.

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