• Weltumrundung von "Solar Impulse 2": Schlechtes Wetter zwingt Sonnenflieger zur Zwischenlandung in Japan

Weltumrundung von "Solar Impulse 2" : Schlechtes Wetter zwingt Sonnenflieger zur Zwischenlandung in Japan

Es ist die längste und riskanteste Etappe der geplanten Weltumrundung: Die Schweizer Solarflieger wollten mit ihrer "Solar Impulse 2" den Pazifik in sechs Tagen überqueren. Nun zwang das Wetter sie zur Änderung der Pläne.

Barbara Barkhausen
Passkontrolle. Vor dem Abflug zur Pazifiküberquerung im ostchinesischen Nanjing in der Nacht zu Sonntag musste Pilot André Borschberg seine Papiere vorweisen.
Passkontrolle. Vor dem Abflug zur Pazifiküberquerung im ostchinesischen Nanjing in der Nacht zu Sonntag musste Pilot André...Foto: Johannes Eisele/AFP

Kurz nach der Fortsetzung seiner Weltumrundung setzt schlechtes Wetter dem Flug des nur mit Sonnenkraft betriebenen Flugzeugs "Solar Impulse 2" schon wieder ein Ende: Der Einsitzer werde bei der japanischen Stadt Nagoya zwischenlanden, teilten die Organisatoren am Montag mit. "Das Wetter über dem Pazifik verschlechtert sich", schrieb Projektleiter Bertrand Piccard auf Twitter. Die Entscheidung zur unverzüglichen Landung in Nagoya sei gefallen, um dort auf bessere Bedingungen zu warten.

André Borschberg und Bertrand Piccard waren im März in Abu Dhabi gestartet und wollen die Welt in zwölf Etappen mit ihrem Flugzeug umrunden, das rein von der Energie der Sonne angetrieben wird. Über Oman ging es weiter nach Indien, Myanmar und China. In der Nacht zum Sonntag (Ortszeit) startete Borschberg dann mit seiner Maschine in Nanjing im Osten Chinas zur Pazifiküberquerung.

Eigentlich hätten die beiden Pioniere diese Etappe bereits hinter sich haben wollen, doch schlechte Wetterbedingungen hatten den Flieger über Wochen in China festgehalten. Und auch nach dem eigentlich reibungslosen Start am Wochenende zog schon bald vor Hawaii eine ungünstige Wetterlage auf, die den Versuch der Pazifiküberquerung nun erst einmal unterbrach.

Flügel länger als die einer Boeing 747

Das Flugzeug der Schweizer wiegt etwas mehr als ein Auto und hat Flügel, die mit einer Flügelspannweite von 72 Metern länger als die einer Boeing 747 sind. In diesen Flügeln sitzen über 17.000 Solarzellen, die die Propeller des Flugzeuges antreiben. Die nötige Energie dazu sammelt das Flugzeug während des Tages und klettert dafür in Höhen bis über acht Kilometer, wo der Pilot gezwungen ist, eine Sauerstoffmaske zu tragen. Nachts dagegen muss es sich auf die in Lithiumbatterien gespeicherte Energie verlassen und sinkt dabei bis auf rund eineinhalb Kilometer Flughöhe ab.

Kabinenplatz hat das Fluggerät wenig. Deswegen wird es immer abwechselnd entweder von Piccard oder Borschberg geflogen. Vor allem Piccard, der 1999 bereits mit dem Briten Brian Jones in einem Ballon die Erde umrundete, ist kein unbeschriebenes Blatt. Ihm liegt das Pionierwesen im Blut: Sein Großvater Auguste flog bereits mit einen Ballon als erster in die Stratosphäre und sein Vater Jacques tauchte als erster im U-Boot zum Marianengraben, der tiefsten Stelle im Meer.

Enorme Belastung für den Piloten

Im Augenblick sitzt aber Borschberg am Steuer. Vor allem für den Piloten ist jede Verzögerung problematisch, da die Pazifiküberquerung ihn ohnehin an die Grenzen der Belastungsfähigkeit bringen wird. Die großen Temperatur- und Druckunterschiede im Cockpit und dass Borschberg während der mehrtägigen Überquerung nur etwa 20-minütige Schlafzeiten einlegen kann, werden an dem 62-Jährigen zehren.

Für den Fall, dass etwas schief geht, trägt Borschberg zwar einen Fallschirm und ein aufblasbares Floß bei sich. Doch eine Rettung aus dem Pazifik – tausende Kilometer von Land entfernt – wäre sicherlich mit großen Schwierigkeiten verbunden.

Borschberg ist sich dieser Gefahren bewusst: Er nannte den Flug vor seiner Abreise den „Moment der Wahrheit“ und sagte, er müsse für das Unbekannte bereit sein. Um die Strapazen zu bewältigen, meditiert Boschberg und macht Yoga. „Yoga-Stellungen bringen so viel Ruhe und Energie in das Cockpit“, twitterte er am Montag trotz der eingetretenen Probleme, die die Wetterfront ihm und seinem Team im Kontrollzentrum in Monaco bereiteten. Und: Der Flug sei unglaublich für ihn. „Ich werde ihn mein Leben lang erinnern.“ (mit AFP)


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