• Weltwasserkommission warnt - Erstmals mehr Umweltflüchtlinge als Kriegsflüchtlinge

Welt : Weltwasserkommission warnt - Erstmals mehr Umweltflüchtlinge als Kriegsflüchtlinge

Mehr als die Hälfte der großen Flüsse weltweit sind verschmutzt oder drohen auszutrocknen. Dies berichtete am Montag die Weltwasserkommission für das 21. Jahrhundert in Washington. Schlechtere Umweltbedingungen an Wasserläufen trugen nach dieser Schilderung dazu bei, dass im vergangenen Jahr 25 Millionen Menschen umsiedeln mussten. Die Zahl der Umweltflüchtlinge habe damit erstmals die der Kriegsflüchtlinge übertroffen. Sie lag bei 21 Millionen. Der Bericht der Kommission stützt sich auf Expertenangaben und eine Analyse vorliegender Daten. "Im Jahr 2025 könnte die Zahl der Umweltflüchtlinge vier Mal so hoch sein", warnte Ismail Serageldin, der Vorsitzende der Kommission.

Dem Bericht zufolge ist unter den 500 größten Flüssen der Zustand von Amazonas und Kongo am besten. An ihren Ufern liegen wenige Industriezentren. In anderen Gebieten der Erde hätten übermäßige Nutzung und Missbrauch von Land und Wasser zu einer ernsthaften Erschöpfung der Ressourcen und ihrer Verschmutzung geführt. Die Folge sei eine Vergiftung der umliegenden Ökosysteme, die die Gesundheit und den Lebensunterhalt der Menschen gefährde, die für Bewässerung, Trinkwasser und Brauchwasser auf diese Systeme angewiesen seien. Als Grund nennt die Kommission unter anderem mangelnde Koordination des Wassermanagements der Flüsse, die häufig Staatsgrenzen überqueren.

Die Kommission fordert ein Umdenken in der Planung, um die Wasserversorgung für eine wachsende Weltbevölkerung zu sichern.

Am stärksten gefährdet sind den Angaben zufolge der Gelbe Fluss in China, die in den Aralsee mündenden Amudarja und Syrdarja in Mittelasien, der Colorado River in den USA, der Nil, die Wolga und der Ganges. Nur zwei der 500 größte Flüssen könnten als gesund eingestuft werden, der Amazonas und der Kongo. An ihren Ufern gebe es nur wenige Industriegebiete.

Der Unterlauf des Gelben Flusses in der bedeutendsten Agrarregion Chinas sei 1997 an 226 Tagen ausgetrocknet gewesen. Der Zufluss von Amudarja und Syrdarja in den Aralsee habe sich um drei Viertel verringert, der Wasserspiegel des Sees habe sich als Folge zwischen 1962 und 1994 um 16 Meter verringert. Die Sterblichkeitsrate bei Säuglingen sei in dem Gebiet die höchste in der ehemaligen Sowjetunion.

Der Colorado, der 1,5 Millionen Hektar Ackerland bewässert, ist dem Bericht zufolge derart verschmutzt, dass sich das Ökosystem an seinem Unterlauf von dichtem Grün zu einer salzigen Marschlandschaft verändert hat. Mehr als 90 Prozent des längsten Wasserwegs der Welt, des Nils, werden zur Bewässerung genutzt oder gehen durch Verdunstung überwiegend in Staudämmen verloren.

Die Kommission spricht sich für ein integriertes Management von Land- und Wasser-Ressourcen in den grenzüberschreitenden Flusssystemen aus. Haupthindernis seien bisher widerstreitende nationale, regionale und lokale Interessen.

Die Weltwasserkommission wird von der Weltbank und weiteren internationalen Organisationen unterstützt, darunter die Weltgesundheitsorganisation und die UN-Organisationen für Kinder, Entwicklung und Umwelt. Sie hat den Auftrag herauszufinden, wie sichergestellt werden kann, dass die wachsende Weltbevölkerung im kommenden Jahrhundert genügend Wasser zur Verfügung hat. Sie will ihre Empfehlungen auf dem zweiten Weltwasserforum vom 17. bis 22. März in Den Haag (Niederlande) vorlegen.

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