Weltwasserwoche : Experten kämpfen für mehr Toiletten

Mehr als ein Drittel der Weltbevölkerung hat keinen Zugang zu richtigen Toiletten. Während wir 135 Liter Wasser für normales Frühstücksei verbrauchen, sterben täglich 5000 Kinder an Durchfall, weil es an Hygiene und Sanitäranlagen fehlt.

Wasser
Der Mangel an Sanitäranlagen steht im Mittelpunkt der Weltwasserwoche. -Foto: ddp

Stockholm/FrankfurtHinter alltäglichen Dingen wie Frühstücksei, Kaffeekochen und T-Shirt-Kauf verbirgt sich ein weit größerer Wasserverbrauch als auf den ersten Blick erkennbar. Darauf hat die Umweltorganisation WWF am Sonntag vor Beginn der Weltwasserwoche am Montag in Stockholm hingewiesen. "Die Deutschen haben beim direkten Pro-Kopf-Verbrauch einen sehr guten Durchschnittswert", erklärte der WWF-Experte Martin Geiger in Frankfurt. Zähle man jedoch das sogenannte virtuelle Wasser hinzu, schnelle der Verbrauch eines jeden Bürgers dramatisch nach oben.

So stecke etwa in einem normalen Frühstücksei ein Wasserverbrauch von 135 Litern Wasser unter anderem für Produktion, Transport und Verkauf. Das entspreche etwa dem Fassungsvermögen einer Badewanne. In einer Tüte Chips steckten 185 Liter Wasser, in einem Baumwoll-T-Shirt 4100 Liter. "Es liegt an den Unternehmen bei der Herstellung von Produkten auf einen nachhaltigen und umweltschonenden Wasserverbrauch zu achten", erklärte Geiger.

Etwa 2500 Wasserexperten aus 140 Ländern treffen sich von Montag an bis zum 23. August zu der jährlichen Fachkonferenz in Stockholm. Bis kommenden Samstag wollen sie über eine sinnvolle Nutzung der weltweiten Wasservorräte beraten. Im Mittelpunkt steht der Mangel an Hygiene und Sanitäranlagen in weiten Teilen der Erde.

Tausende Kinder sterben jeden Tag an Durchfall

Nach Angaben des Internationalen Wasserinstituts in Stockholm (SIWI), das die Weltwasserwoche organisiert, hat mehr als ein Drittel der Weltbevölkerung derzeit keinen Zugang zu richtigen Toiletten. Dies könne dramatische Auswirkungen auf die Gesundheit haben. "Es ist nicht sehr populär, über Toiletten, Exkremente und Menstruation zu sprechen", sagte SIWI-Sprecherin Stephanie Blenckner. Aber dies seien wichtige Fragen, die direkt mit dem Entwicklungsstand von Ländern zu tun hätten. "Fünftausend Kinder sterben jeden Tag an Durchfall, weil es an Hygiene und Sanitäranlagen fehlt", sagte Blenckner weiter. Rund 2,6 Milliarden Menschen weltweit fehlten angemessene Sanitäranlagen.

Ein weiteres Thema auf der 18. Weltwasserwoche sollen die schwindenden Wasserressourcen sein. Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik sowie von regierungsunabhängigen Organisationen wollen über den richtigen Umgang mit dem Wassermangel diskutieren. Die stetig wachsende Weltbevölkerung, der Klimawandel und das rapide Wirtschaftswachstum in Asien und Afrika lassen die für den einzelnen verfügbaren Wassermengen immer knapper werden.

Bereits jetzt leidet nach Angaben der Vereinten Nationen ein Fünftel der Weltbevölkerung unter Wassermangel. Diese Zahl wird den Berechnungen zufolge bis 2025 auf 30 Prozent steigen. Die Menschen müssten verstehen, dass ihre Lebensmittel und die Produkte, die sie kauften, direkte Auswirkungen auf die weltweiten Wasserressourcen hätten, sagte Blenckner. (sgo/dpa/AFP)

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