Weltzustandsbericht : WWF: 2035 wären zwei Planeten nötig

Nach den dramatischen Ergebnissen des WWF-Weltzustandsberichts hat die Umweltstiftung Politik und Bevölkerung gleichermaßen zu mehr Umweltschutz aufgerufen. Trotzdem könnten die Menschen "weiterhin einen hohen Lebensstandard haben", betonte ein WWF-Experte.

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Raubbau an der Erde. Der Braunkohletagebau Garzweiler. -Foto: dpa

Berlin "Wir brauchen ein drastisches Umdenken in der Umweltpolitik, aber auch im alltäglichen Handeln jedes Einzelnen", sagte WWF-Naturschutzdirektor Christoph Heinrich am Mittwoch. "Jeder kann etwas für den Naturschutz tun, ohne an Lebensfreude einzubüßen." Es sei wichtig, dass Industrie, Gebäude und Fahrzeuge energieeffizienter gestaltet würden. Außerdem müsse die Energieherstellung in den nächsten Jahren auf erneuerbare Energien umgestellt werden.

Der "Living Planet Report 2008" der Umweltstiftung World Wide Fund for Nature (WWF) beschreibt die Ausbeutung der Erde. Verglichen mit der vorangegangenen Studie von 2006 habe sich die Situation noch einmal drastisch verschärft, heißt es darin. Wenn der Verbrauch an natürlichen Ressourcen wie bisher weiter steigt, werden den Experten zufolge bereits im Jahr 2035 rechnerisch zwei Planeten nötig sein, um den weltweiten Bedarf an Nahrung, Energie und Fläche zu decken. Der Report 2006 hatte dafür noch eine Frist bis 2050 errechnet.

Weniger Flugreisen

Schon Privathaushalte können laut Heinrich viel zum Schutz der Erde tun - beispielsweise mit Energiesparlampen, gut gedämmten Häusern, Hybridautos und weniger Flugreisen. "Es soll keiner frieren, wir werden weiterhin einen hohen Lebensstandard haben", sagte der Experte. "Doch wir alle müssen die natürlichen Ressourcen klüger nutzen."

Außerdem sollte jedes Haus mit modernen Heiz- und Lüftungssystemen ausgestattet sein, um den Energieverbrauch zu senken, sagte Heinrich. Ziel müssten sogenannte Passiv-Energiehäuser sein, die ohne Gas-, Öl- oder Holzheizung auskämen und selbst im Winter auf Sonnenenergie zurückgreifen könnten. "Deutschlandweit gibt es schon tausende dieser Häuser, doch wir wünschen uns, dass ab dem Jahr 2020 alle Neubauten nach diesem Prinzip errichtet werden."

Wichtig sei auch das auf Nachhaltigkeit bedachte Handeln der Fabriken. "Sie müssen schon bald mit weniger Energie auskommen und ihre Abfallmenge vermindern", sagte der WWF-Experte. Deutschland stehe im internationalen Vergleich zwar ganz gut da, doch Länder wie Japan seien auf diesem Gebiet noch weiter. (küs/dpa)

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