• Wenders: USA bemächtigen sich des Kinos Der Filmregisseur empfing den Helmut-Käutner-Preis

Welt : Wenders: USA bemächtigen sich des Kinos Der Filmregisseur empfing den Helmut-Käutner-Preis

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(dpa/Tsp). Die Kritik am IrakKrieg wird nach Angaben des Filmregisseurs Wim Wenders (58) weltweit weiter wachsen. „Der Krieg wird sehr viel kritischer gesehen werden als heute“, sagte Wenders am Wochenende in Düsseldorf. Die US-Regierung habe „versucht, sich des Kinos zu bemächtigen, um ihre Politik durchzusetzen“, sagte der Filmregisseur. Wenders („Der Himmel über Berlin“) empfing am Sonntag in Düsseldorf den Helmut-Käutner-Filmpreis.

Sein neuester Spielfilm beschäftige sich kritisch mit dem „American Way of Life“, sagte Wenders. Unter dem ironischen Titel „Land des Überflusses“ werde der Film voraussichtlich im September in die deutschen Kinos kommen und habe als Thema „die Armut und Paranoia in den USA“. „Der Film ist sehr spontan entstanden und sehr schnell gemacht worden“, sagte Wenders.

Am 6. Mai soll sein jüngster Musik-Dokumentarfilm „The Soul of a Man“ in Deutschland starten. Der bereits in Frankreich und Italien aufgeführte Streifen gehöre zu einer siebenteiligen Serie von Blues-Filmen, die unter der Leitung von Hollywood-Regisseur Martin Scorsese entstanden sei. Er wolle nach den Projekten mit kubanischer Son-Musik („Buena Vista Social Club“) und der Kölner Rockgruppe BAP nun drei seiner amerikanischen Lieblings-Bluesmusiker bekannt machen.

In seiner Laudatio zum Helmut-Käutner-Preis während einer Feierstunde im Düsseldorfer Rathaus sagte der Frontmann der Band Die Toten Hosen, Campino, er würde einen Wenders-Film „aus Millionen anderen heraus erkennen“. Der Regisseur habe „so eine eigene Bildersprache und Art, Geschichten zu erzählen, dass die Filme einfach unverwechselbar sind,“ sagte der Musiker.

Mit der Auszeichnung wurde nach Angaben der Jury die hohe Experimentierfreudigkeit und Innovationskraft des Regisseurs gewürdigt. Wenders habe über Jahrzehnte die deutsche Filmkultur geprägt und sie international bekannt gemacht, sagte Oberbürgermeister Joachim Erwin. Der am 14. August 1945 in Düsseldorf geborene Wenders dankte mit ein paar persönlichen Bemerkungen über sein Leben in seiner Geburtsstadt Düsseldorf. So sei er als kleiner Junge beim Baden im Rhein fast ertrunken und habe sich während eines begonnenen Philosophie-Studiums in der Düsseldorfer Altstadt seinen Lebensunterhalt mit Flippern in Lokalen verdient. Zu Wenders bekanntesten Filmen gehören „Die Angst des Tormanns beim Elfmeter“, „Im Lauf der Zeit“, „Der Stand der Dinge“, „Paris, Texas“ und der Dokumentarfilm „Buena Vista Social Club“ über eine Gruppe alter kubanischer Sänger und Musiker. Wenders hat bereits zahlreiche Auszeichnungen erhalten. Unter anderem bekam er für „Der Stand der Dinge“ 1982 in Venedig den Goldenen Löwen und für „Paris, Texas“ im Jahr 1984 die Goldene Palme in Cannes. Wenders lebt mit seiner Frau Donata in Los Angeles und Berlin.

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