Weniger als sechs Stunden : Neue Besatzung erreicht ISS in Rekordzeit

In weniger als sechs Stunden erreichte die neue Besatzung die Internationale Raumstation ISS. Das ist Rekordzeit. Dieser Erfolg ins All soll Russlands jüngste Raumfahrtpannen vergessen machen. Das ehrgeizige Riesenreich päppelt seine oft gescholtene Vorzeigeindustrie mit Milliarden auf.

Raketenstart: Der Amerikaner Chris Cassidy sowie die beiden russischen Astronauten Pavel Vinogradov und Alexander Misurkin starteten am Freitag vom Weltraumbahnhof Baikonur in der kasachischen in Richtung ISS.
Raketenstart: Der Amerikaner Chris Cassidy sowie die beiden russischen Astronauten Pavel Vinogradov und Alexander Misurkin...Foto: dpa

Die Raumfahrt hat drei neue All-Stars. In Rekordzeit hat eine neue Besatzung am Freitag die Internationale Raumstation (ISS) erreicht. Die zwei russischen Kosmonauten und ein US-Astronaut benötigten weniger als sechs Stunden vom Start auf dem Weltraumbahnhof Baikonur in der kasachischen Steppe bis zum Andocken an die ISS, wie Livebilder im russischen Fernsehen zeigten. Es war die bislang schnellste Reise zur ISS, die durch ein neues Verfahren ermöglicht wurde. Bislang kreisten Sojuskapseln gut zwei Tage lang 30 Mal um die Erde, bevor sie die ISS erreichten. Diesmal reichten vier Umkreisungen.

Vor allem für Russland ist der Rekordflug ein ungemein wichtiger Erfolg, nachdem die stolze Raumfahrtnation zuletzt eher Pleiten, Pech und Pannen angehäuft hatte. Nun aber legt die Raumfahrtbehörde Roskosmos im Wettbewerb mit der US-Weltraumagentur Nasa, den Europäern und den aufstrebenden Chinesen erst einmal vor. „Die Durchführung des Fluges von Sojus TMA-08M ist ein weiterer evolutionärer Schritt bei der Verbesserung von Raumschiffen dieses Typs“, teilt Roskosmos der Nachrichtenagentur dpa mit. „Dies erlaubt die Nutzung ähnlicher technischer Lösungen für künftige Entwicklungen.“ Da klingt Stolz durch. Außer Russland kann derzeit kein Staat Menschen ins All bringen und wieder zurück - und erst recht nicht in dieser Geschwindigkeit.

Doch Roskosmos will noch weiter, zu den Sternen: Mit Hilfe russischer Technik sollen auch entferntere Ziele wie der Mars in Reichweite geraten.

Um es dorthin zu schaffen, arbeitet Russland nun auch eng mit der Europäischen Weltraumorganisation ESA zusammen. Das gemeinsame milliardenschwere Projekt ExoMars soll den Roten Planeten auf Spuren von gegenwärtigem oder früherem Lebens untersuchen.
Eine Wand aus Monitoren beherrscht den wichtigsten Schaltraum im Flugleitzentrum in Koroljow. Hier im „Gehirn“ der Mission laufen die Fäden zusammen. Auf Karten ist zu sehen, wie die Sojus der ISS auf ihrer Flugbahn immer näher kommt. Bunte Grafiken erklären, wie das Raumschiff funktioniert.
Beim Start der historischen Mission zur ISS in der Nacht zum Freitag herrscht demonstrative Gelassenheit. Bei weitem nicht alle Plätze sind besetzt. Ruhig meldet ein Sprecher, dass alles nach Plan laufe. „Der Crew geht es gut“, wiederholt die Stimme aus dem Lautsprecher regelmäßig. Routine, so scheint es. Doch gespannt sind sie hier, rund 30 Kilometer nordöstlich von Moskau schon, ob auch alles wie geplant funktioniert.
Moderner will Roskosmos werden, die jüngsten Pleiten vergessen machen. Das gilt auch für den Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan und die angrenzende Stadt mit etwa 71 000 Einwohnern. Hier gibt es immer wieder Klagen über baufällige Wohnungen und fehlende Schulen.
Eine „Neugeburt“ verspricht Vizeregierungschef Igor Schuwalow, der passend zum Rekordflug in die kasachische Steppe gereist ist.
Fortschritt soll es auch geben bei den Raumschiffen. „Die neuen Raumschiffe müssen den Transport einer vierköpfigen Crew zum Mond und deren Rückkehr zur Erde sicherstellen“, fordert Roskosmos vom staatlichen Sojus-Bauer Energija. Falls nötig, ist dann sogar Platz für sechs Raumfahrer. Abflugort soll dann nicht nur Baikonur sein, sondern auch der neue Weltraumbahnhof Wostotschny im russischen Fernen Osten.
Etwa 53 Milliarden Euro will das Riesenreich bis 2020 in sein Raumfahrtprogramm pumpen und damit seine Position auf dem „Weltraummarkt“ festigen - dank der Einnahmen aus dem lukrativen Öl- und Gasgeschäft soll ein Imagewandel her. Doch um die hohen Ziele auch im eigenen Land besser verkaufen zu können, müssen Erfolge her.
Die neuen „All-Stars“ sollen im September zur Erde zurückkehren - Russland wartet schon auf sie. (dpa, AFP)


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