Welt : Wenn Bill Clinton in die Luft geht

RAINER W.DURING

Zur Premiere des Films "Air Force One" ein Blick in den echten PräsidentenjetVON RAINER W.DURINGDie "Air Force One", der Jumbo-Jet des US-Präsidenten, ist eines der geheimnisumwittertsten Flugzeuge der Welt.Von dieser Faszination lebt auch der gleichnamige Spielfilm von Wolfgang Petersen, der nach einem Riesenerfolg in den USA am Donnerstag auch hier in die Kinos kommt.Der in Hollywood so erfolgreiche deutsche Regisseur, der mit 90 Millionen Dollar seinen bisher teuersten Film drehte, erweist sich als besonders begabt, US-Patriotismus in Szene zu setzen.Doch während Harrison Ford im Thriller als Präsident höchstpersönlich mit dem Entführer ringt, geht es bei Bill Clinton an Bord eher normal zu. Der richtige Präsidenten-Jet ist kein Unikat.Um allen Eventualitäten vorzubeugen, existiert der Jumbo gleich in zweifacher Ausfertigung.Offiziell der US-Air-Force auf dem Luftwaffenstützpunkt Andrews bei Washington zugeteilt, verbergen sich hinter der militärischen Typenbezeichnung VC-25A zivile Großraumjets des Typs Boeing 747-200, wie sie auch bei der Lufthansa im Einsatz stehen."Air Force One" ist lediglich das Rufzeichen der jeweiligen Maschine, an Bord derer sich der Präsident befindet. Im Gegensatz zur Zivilversion sind die Präsidenten-Jets durch eigene, ausfahrbare Passagiertreppen und ein zusätzliches Stromaggregat von Bodeneinrichtungen an Zielflughäfen unabhängig.Durch die Möglichkeit der Luftbetankung ist die Reichweite der Jumbos unbegrenzt.Zwei Bordküchen und Transportmöglichkeiten für bis zu 2000 Mahlzeiten garantieren die Eigenversorgung von 23 Besatzungsmitgliedern und bis zu 70 Passagieren auch bei längeren Trips. Rund 380 Kilometer selbst gegen Atomstrahlung abgeschirmte Kabel sind an Bord verlegt.Allein drei Spezialisten sind für die Bedienung der Kommunikationseinrichtungen verantwortlich, zu denen Computer- und Funkanlagen, Chiffrier- und Dechiffriergeräte sowie 85 abhörsichere Telefone gehören.Im rund 371 Quadratmeter großen Innenraum der Jumbos verfügt der Präsident über eine eigene Suite mit Schlafzimmer, Toilette und einem eher nüchtern ausgestatteten, in Braun- und Beigetönen gehaltenen Büro.Dazu kommen ein Konferenz- und Eßzimmer sowie Arbeits- und Aufenthaltsbereiche für die Mitglieder des Präsidialstabes und ein Abteil für die medizinische Notfallbehandlung.Der in Zivilmaschinen als Frachtraum dienende Bereich unterhalb der Kabine ist über eine interne Treppe erreichbar und beherbergt neben den Lagerräumen für die Bordverpflegung und "einsatzbezogener" Ausrüstung zusätzliche Elektronik sowie ein automatisches Gepäckladesystem. Die Außenbemalung entspricht dem des ebenfalls noch im Einsatz stehenden Vorgängermodells Boeing 707, das unter anderem der First Lady Hillary Clinton für Dienstreisen zur Verfügung steht.Das blau-weiße-Design geht auf einen Wunsch des früheren Präsidenten John F.Kennedy zurück und soll den "Geist des nationalen Charakters" verdeutlichen. Die erste spezielle Präsidentenmaschine der USA wurde übrigens 1942 von Harry S.Truman benutzt.Der mußte noch auf so manchen, heute üblichen Komfort verzichten.Seine Douglas VC-54C, die den Namen "Sacred Cow" ("Heilige Kuh") trug, war eine umgebaute "Skymaster", wie sie als "Rosinenbomber" später zum Arbeitspferd der Luftbrücke wurde.

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