Welt : Wenn die Hauptperson verloren geht

Shirley-Uloma Kastell[16 Jahre]

An Weihnachten kommt der Weihnachtsmann – während der ersten acht Jahre meines Lebens war das klare Gewissheit. Die ganze Vorweihnachtszeit fieberte ich auf den 24. Dezember hin und schrieb fleißig meinen Wunschzettel. Schließlich konnte mir nur der gute Alte mit dem weißen Bart meine über das Jahr angesammelten Wünsche erfüllen.

Von dieser Geschichte war ich so überzeugt, dass ich in der ersten Klasse sogar bereit war, mich mit einem Mitschüler zu prügeln, als dieser mir weismachen wollte, den Weihnachtsmann gebe es gar nicht.

Ich war wirklich hoch empört, denn schließlich hatte ich den Weihnachtsmann sogar selber schon von Angesicht zu Angesicht getroffen.

Wer sich hinter dieser Aufmachung jedoch wirklich verborgen hatte, wurde mir erst einige Jahre später bewusst. Nicht, dass mir da noch jemand die Wahrheit hätte sagen müssen. Irgendwann war der Zeitpunkt erreicht, an dem ich selbst begann, an den Geschichten des großen Weihnachtsschwindels zu zweifeln.

Seither hat Weihnachten für mich an Glanz und Besonderheit verloren – und damit bin ich nicht allein. Der Glaube an den Weihnachtsmann, seine Wichtel und die fliegenden Rentiere hatte etwas Unerklärliches, Magisches und machte Weihnachten immer zum Höhepunkt des Jahres.

Heute, neun Jahre später, ist Weihnachten zu einem recht vorhersehbaren, ruhigen Fest geworden. Man isst viel zu viel, trinkt und beschenkt sich, im Fernsehen läuft zum gefühlt eintausendsten Mal „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“, und wegen der Erderwärmung regnet es fast immer, anstatt zu schneien. Da bleibt mir nur die Hoffnung, dass es irgendwann meine Kinder schaffen werden, mir ein bisschen Weihnachtszauber zurückzubringen.

Shirley-Uloma Kastell, 16 Jahre

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