Wenn die Liebe stirbt : Geschiedene leben deutlich kürzer

11.11.2008 17:55 UhrVon Frauke Böger
Sarah Connor und Mann  Foto: ddp
Für Sarah Connor und Marc Terenzi kommt die Studie zu spät. Das Ehepaar hat sich getrennt und will sich scheiden lassen. - Foto: ddp

Eine deutsche Studie zur Lebenserwartung zeigt: Wer sich scheiden lässt, verliert Lebensjahre - im statistischen Durchschnitt.

Sterben müssen wir alle – aber wann wir sterben hängt davon ab, wer wir sind und wie wir leben. Geschiedene, Raucher, Arbeitslose und Niedriggebildete haben kürzere Aussichten: Ihre Lebenserwartung ist um Jahre geringer. Den Einfluss von sozialen Bedingungen und Verhalten auf die Lebenserwartung von 50-jährigen Deutschen hat das Rostocker Zentrum zur Erforschung des Demografischen Wandels untersucht.

Ob sich Sarah Connor und Marc Terenzi gut überlegt haben was sie da tun? Eine Scheidung kostet laut der Studie rund neun Lebensjahre. „Wir gehen davon aus, dass Geschiedensein den Lebensstil stark beeinflusst“, sagte Gabriele Doblhammer, eine der Autorinnen der Studie.

„Verheiratete haben anscheinend einen geregelteren Lebensstil als Alleinstehende. Geschiedene vereinen vermutlich verschiedene Faktoren, die zu einem frühzeitigem Tod führen können“, erläuterte sie. So könnte es sein, dass Geschiedene während und nach der Trennung mehr rauchen, mehr trinken und mehr und ungesünder essen, egal ob sie glücklich oder unglücklich geschieden sind. Die Studie untersuchte aber nicht die genauen Wechselwirkungen und Ursachen. Sie stellte nur statistische Verbindungen her. So kann es für Menschen ein lebensverlängernder Segen sein, sich scheiden zu lassen. Aber im statistischen Durchschnitt leben Geschiedene wesentlich kürzer.

Männer leben in Deutschland heute laut der Studie durchschnittlich 77,0 Jahre, Frauen 82,3 Jahre. Insgesamt steige die Lebenserwartung in Deutschland, allerdings mit Unterschieden zwischen den Geschlechtern. Die Lebenserwartung der Männer sei in den vergangenen acht Jahren um 2,6 Jahre gestiegen, bei Frauen nur um 1,8 Jahre. Die späteren Lebensjahre seien entscheidend für diese Entwicklung. „Fünfzigjährige haben bereits viel erlebt und Verhaltensweisen angenommen, die auf das Sterberisiko Einfluss nehmen“, heißt es in der Studie. Gerade hinsichtlich der Lebenserwartung von über 50-Jährigen zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen einzelnen Personen und verschiedenen Bevölkerungsgruppen.

Ausgehend von der Frage „Welche Lebensbedingungen, Krankheiten oder Verhaltensweisen kosten Lebensjahre?“ hat die Studie den Einfluss von Risikofaktoren auf so genannte Referenzpersonen untersucht. Dabei hatte die Referenzperson die höchstmögliche Lebenserwartung. Das heißt, sie raucht nicht, trinkt nur mäßig Alkohol, ist verheiratet, hat Abitur und steht in einem Angestelltenverhältnis. Die weibliche Referenzperson hat außerdem ein bis zwei Kinder geboren.

Ein Risikofaktor ist das Alleinsein. Während die Lebenserwartung von Männern durch Alleinleben nicht beeinträchtigt wird, leben Frauen knapp fünf Jahre weniger, wenn sie allein leben. Doblhammer führt dies auf die Unterschiede in den Prozentsätzen der Verheirateten zwischen den Geschlechtern zurück. „Die Männer, die ihre Frauen überleben, sind ja schon selten. Die Gruppe der alleinlebenden Männer ist also sehr speziell“, sagte sie. Auch Kinderlosigkeit sei für Frauen lebensverkürzend: 3,2 Jahre früher sterben Kinderlose als Mütter. Laut Studie könne dies auf „das Fehlen sozialer und emotionaler Kontakte sowohl um mittleren und hohen Alter, aber auch biologische Effekte“ zurückgeführt werden.

Für Männer wie Frauen ab 50 gilt: niedrige Bildung und Arbeitslosigkeit verringern die Chance auf ein langes Leben. Männern nimmt Arbeitslosigkeit 14,3 Jahre, Frauen 12,6. Ein niedriger Bildungsstand drückt bei Männern die Lebenserwartung um 7,2 Jahre, bei Frauen um 9,1 Jahre. Lebensstil und Bildung hängen laut Doblhammer zusammen: So könne höhere Bildung einen gesunderen Lebensstil beeinflussen. Risikogruppen sollten mit speziellen Gesundheitsprogrammen aufgeklärt werden, um das Sterberisiko zu mindern, sagte Doblhammer. Wenig überraschend sind die Ergebnisse zum Rauchen und Alkoholkonsum. Starke Raucher leben im Durchschnitt 18 Jahre weniger, starke Raucherinnen sogar 22 Jahre. Auch Alkohol schadet Frauen mehr als Männern: Gut 23 Lebensjahre weniger leben Frauen mit hohem Alkoholkonsum, Männer 16 Jahre.

Offensichtlich spielt bei Männern der Wohnort auch eine Rolle für die Dauer des Lebens: In Baden-Württemberg leben sie im Schnitt drei Jahre länger, in Mecklenburg-Vorpommern drei Jahre kürzer. Bei Frauen sind die regionalen Unterschiede laut Studie minimal.
Für ein langes Leben rät Doblhammer zu Altbekanntem: „Ausgewogene Ernährung und körperliche Betätigung senken das Risiko eines vorzeitigen Todes ungemein“, sagte Doblhammer. Und: „Rauchen ist das Schlechteste was Sie machen können, wenn Sie nicht frühzeitig sterben wollen.“

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