Welt : Wenn Männer zu viel spionieren

Wie ein Bombenalarm sich als falsch herausstellte

Markus Huber[Wien]

Montagabend gab es in Klagenfurt, der Hauptstadt von Österreichs südlichstem Bundesland Kärnten, kein Durchkommen. Und das nicht etwa deswegen, weil es in der Nacht zum Dreikönigstag zu viele Besucher in die Innenstadt-Kneipen gezogen hätte, was andererseits in Klagenfurt durchaus häufig vorkommen kann. Nein, dieses Mal hatte die Polizei die Innenstadt großräumig abgesperrt – wegen eines Bombenalarms.

Eine Bombe! Ausgerechnet in Klagenfurt, wo vor rund zehn Jahren am Flughafen Sprengstoff detoniert war und einem Polizisten beide Hände abriss. Montagabend hatte eine 40-jährige Frau in ihrem Wagen ein verdächtiges Gerät gefunden, das mit einem Sender ausgestattet war und obendrein rot blinkte. Die Polizei rückte an, lokalisierte einen „verdrahteten Gegenstand", baute ihn aus und jagte ihn anschließend in die Luft. Alles ging gut, Bombe entschärft, Aktion geglückt.

Doch bei weiteren Recherchen stellte sich dann heraus, dass der Einsatz, der ein Klagenfurter Entschärfungskommando mehrere Stunden beschäftigt hatte, doch nicht ganz so gefährlich war. Die Bombe war nämlich gar keine Bombe, sondern ein eher plumper GPS-Sender.

Gegen Mitternacht hatte sich nämlich der Ehemann der 40-Jährigen selbst den Behörden gestellt, und seine, die richtige Version der Geschichte zu Protokoll gegeben. Demnach habe er zur Vorbereitung der Scheidungsverhandlung seiner Frau einen Peilsender ins Auto gebaut, um sie und vor allem ihre Bewegungen ständig kontrollieren zu könnenn. Der 42-Jährige gab an, dies aus Liebe getan zu haben, man kann aber auch glauben, er wollte sich auf diesem Wege Informationen besorgen, die für sein Scheidungsverfahren wichtig sein könnten.

Und nun hat die Polizei ein Problem – denn wer soll für den kostspieligen Einsatz aufkommen? Der Mann selbst hat sich nämlich aus Polizeisicht nichts wirklich zuschulden kommen lassen. Er hatte für den Wagen seiner Frau einen Zweitschlüssel, also liegt kein Einbruch vor. Er hat aus dem Wagen nichts entwendet, sondern wenn, dann nur etwas hinzugefügt – von Diebstahl kann man also auch nicht reden. Der Sender selbst wurde mit einem sowohl handelsüblichen als auch leicht entfernbaren Polyurethan-Schaum eingebaut, was wiederum eine Sachbeschädigung ausschließt. Und nachdem sich der Hobbydetektiv selbst gestellt hat, kann man ihm behördlicherseits auch keine gefährliche Drohung vorwerfen.

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