Welt : Wenn Terroristen zu Gift greifen

Frank Jansen

Die Fragen erscheinen seit den monströsen Anschlägen des 11. September 2001 unvermeidbar, sobald sich eine größere, von Menschen verursachte Gefahr für die Bevölkerung abzeichnet: Sind da Terroristen am Werk? Und selbst wenn nicht: Könnten sie eine solche Bedrohung mit noch weit härteren Folgen inszenieren? Vor allem diese Frage zwingt sich im Fall des Giftanschlags auf die Trinkwasserversorgung am Bodensee auf. Denn der Täter ist höchstwahrscheinlich kein Terrorist, aber die Tat könnte durchaus ins Kalkül einer fanatischen Gruppe passen, die es auf den Tod möglichst vieler Menschen abgesehen hat. Ein erfahrener Sicherheitsexperte, der seinen Namen nicht veröffentlicht sehen möchte, gibt allerdings eine Sowohl-als-auch-Antwort. Terrorangriffe auf die Trinkwasserversorgung seien denkbar und hochgefährlich – aber im Moment lasse sich keine konkrete Gefahr erkennen.

Der „Modus operandi“ islamistischer Attentäter sei anders. Al Qaida und die verbündeten Gruppen setzten auf „konventionelle Anschläge“ mit Sprengstoff. Vermutlich verfüge das islamistische Terrornetz auch über Giftstoffe, sie seien aber bislang nicht eingesetzt worden. Bislang hat nur die japanische AUM-Sekte mit einem Massenvernichtungsmittel hantiert. Bei dem 1995 mit dem Nervengift Sarin verübten Anschlag auf die Tokioter U-Bahn starben zwölf Menschen, etwa 3800 wurden verletzt.

Nervengift ins Trinkwasser einer deutschen Großstadt – die Folgen wären verheerend, selbst wenn sich der Stoff verflüchtigt. Denn schon ein Alarm der Polizei würde vermutlich eine Massenpanik mit unabsehbaren Folgen auslösen. Dieses Szenario beunruhigt die Sicherheitsbehörden fast noch mehr als die Furcht vor einem Anschlag. Im Fall der Trinkwasserversorgung wäre er auch kaum zu verhindern. Talsperren, Wassertürme, Brunnen, Grundwasser und andere Reservoire sind allenfalls punktuell zu schützen.

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