Welt : Wer tötete die Marinesoldatin?

Eine Obermaatin wurde bei ihrer nächtlichen Wache auf dem Minensuchboot „Mühlhausen“ umgebracht – jetzt wird die Mannschaft verhört

Günter Beling[Hamburg]

Sie war Soldatin unter Soldaten – und sie starb unter mysteriösen Umständen auf dem Minensuchboot „Mühlhausen". Das Schiff aus der Flottille der Bundeswehr hatte im abgeschirmten militärischen Bereich des Hafens von Eckernförde festgemacht. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Berlin bestätigte dem Tagesspiegel, dass die 19jährige Obermaatin tot an Bord aufgefunden wurde: „Die Staatsanwaltschaft Kiel hat die Ermittlungen aufgenommen." Nach offiziell nicht bestätigten Informationen soll die Frau erwürgt worden sein. „Wir sind ganz intensiv dran, haben aber noch keinen Täter", sagte der Kieler Oberstaatsanwalt Uwe Wick am Sonnabend zum Ermittlungsstand. Unter Verdacht: Die 33-köpfige Crew der „Mühlhausen". Alle Mannschaftsteile werden derzeit intensiv verhört, um Aufschluss über den Hergang zu bekommen.

Das Flottenkommando in Glücksburg bestätigte bisher lediglich, dass die Frau als Unteroffizier ihren Dienst an Bord tat – vermutlich war sie vor ihrem Tod zur Nachtwache in einem Häuschen am Pier eingeteilt. Die Soldatin soll aus Niedersachsen stammen und war am Donnerstagmorgen leblos in ihrer Koje entdeckt worden. Ein Notarzt konnte nicht mehr helfen – weil er aber an der Leiche Spuren von Gewaltanwendung festgestellt haben soll, wurde die Polizei alarmiert. Nach Informationen des „Hamburger Abendblattes" soll es sich dabei um „Würgemale am Hals des Opfers" handeln. Ergebnisse einer Obduktion der Leiche am Freitag sind nicht bekannt.

Die „Mühlhausen" wurde inzwischen von dem Heimathafen Eckernförde in Schleswig-Holstein in den Militärhafen von Olpenitz bei Kappeln an der Schlei verlegt, weil sie dort besser für die Ermittlungen abgeschirmt werden kann. Das Verteidigungsministerium lehnte weitere Stellungnahmen zum Tod der 19-Jährigen mit Hinweis auf das „schwebende Verfahren" ab: Man werde die Ermittlungen nicht durch eigene Verlautbarungen flankieren oder behindern. Oberstaatsanwalt Uwe Wick bestätigte den „Kieler Nachrichten" nur, dass die junge Frau Opfer eines Tötungsdeliktes wurde. Ob der Tat ein Beziehungsstreit oder ein Sexualdelikt vorausging, habe die Staatsanwaltschaft nicht sagen wollen. Offenbar hatten die schweigsamen Ermittler auf eine schnelle Aufklärung des Falls gesetzt – bisher vergeblich.

Die meisten Soldatinnen und Soldaten hatten sich auf die Feiertage gefreut. Eigentlich sollten im Marinehafen von Olpenitz die Schichten für den Weihnachtsurlaub ausgedünnt werden. „Das wird jetzt etwas schwierig", sagt ein Sprecher des Presse- und Informationszentrums der Marine: Denn nun kommen die Staatsanwälte an Bord. Auf der „Mühlhausen“ tun nicht nur Berufssoldaten ihren Dienst, sondern auch Wehrpflichtige, die sich länger an die Bundeswehr gebunden haben. Die Ermittlungen der Staatsanwälte erstrecken sich aber auch auf Besucher der Eckernförder Diskothek K7. Die 19-Jährige soll dort am Mittwochabend mit anderen Besatzungsmitgliedern gefeiert haben. Auch alles, was sich rund um das Schiff in der Nacht zum Donnerstag abgespielt hat, ist für die Ermittler von Interesse: Während der militärischen Nachtwache, die meist in einem Unterstand am Kai absolviert wird, gehören auch festgelegte Rundgänge zu den Aufgaben der Wachhabenden. An Bord sind Soldatinnen und Soldaten in getrennten Kabinen untergebracht.

Dass sich Fremde Zutritt zu dem hoch gesicherten Schiff verschafft haben, gilt als unwahrscheinlich: Der Eckernförder Marinehafen kann nur über ein Eingangstor betreten werden, das rund um die Uhr bewacht ist. Die Kripo befragt aber offenbar auch Angehörige des zivilen Wachpersonals sowie anderer Marineeinheiten, da im Hafen zum Tatzeitpunkt weitere Militärschiffe in Eckernförde festgemacht hatten.

Frauen beim Bund - das ist seit dem 1. Januar 2001 umfassend möglich. Nachdem Grundgesetz und Soldentengesetz geändert sind, stehen alle Bundeswehr-Laufbahnen auch für Frauen offen. Zurzeit dienen dort mehr als achttausend Soldatinnen, die meisten im Sanitätsdienst. Rund 3000 Frauen sind im Truppendienst als Unteroffizier oder Teil der Mannschaft tätig. Die Bundeswehr zog 2003 eine erste positive Bilanz und sprach von einer „problemlosen Aufnahme und Akzeptanz" der Frauen im militärischen Dienst.

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