Welt : Wer will denn gleich in die Luft gehen

Nach einer absurden Arbeitskampf-Eskalation geht auf dem Londoner Flughafen Heathrow nichts mehr

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London Chaos und Frust am größten Flughafen Europas mitten in der Urlaubszeit: Die britische Fluggesellschaft British Airways (BA) musste wegen eines spontanen Streiks des Bodenpersonals bis zum Freitagabend alle ihre etwa 550 Flüge von und nach London Heathrow streichen. Etwa 70000 Passagiere, auch aus Deutschland, waren betroffen, tausende saßen in den Abfertigungshallen fest. Darunter waren viele Familien mit ihren Kindern, die sich auf die Ferien freuten. Dieser wohl schlechteste Start in den Urlaub wird nach den Worten von Flughafenmanager Mick Temple „möglicherweise auch noch in den kommenden Tagen andauern“.

Das Chaos hatte bei einer Catering-Firma begonnen. Sie hatte nach einem spontanen Streik wegen schlechter Verträge per Megafon einfach 600 Mitarbeitern gekündigt. Dies führte zunächst zu Engpässen bei der Versorgung der BA-Maschinen mit Bordverpflegung. Der Konflikt eskalierte dann am Donnerstag, als aus Solidarität BA-Mitarbeiter der Gepäckabfertigung und des Bodenpersonals ebenfalls spontan ihre Arbeit niederlegten. Ein Ende des Ausstandes war am Freitag nicht abzusehen.

Bereits am Donnerstag waren 15000 Fluggäste aus der ganzen Welt in London gestrandet. 4000 Passagiere konnte das BA-Personal über Nacht in Hotelzimmern von London bis zum Seebad Brighton unterbringen. Etwa 1000 verhinderte Urlauber aber mussten im Flughafen übernachten. Sie wurden zumindest mit Isoliermatten, Decken und Essen versorgt. Über Radio und Fernsehen wurden Passagiere, die ihren Flug für Freitag gebucht hatten, aufgefordert, nicht zum Flughafen zu kommen und ihre Reiseagenturen zu kontaktieren. Deborah Roch aus Wolverhampton wollte mit ihren Kindern Laura und Olly nach Neuseeland fliegen, um dort ihren Mann Martin zu treffen. „Das sollte die Reise meines Lebens werden. Die Kinder wollen einfach nur da hin und ihren Daddy sehen“, beschreibt die Krankenschwester ihr Debakel. Und jetzt sieht es nicht so aus, als ob sie ihren Anschlussflug in Hongkong jemals bekommen wird. So wie ihr geschah es vielen, und BA wird sich wohl auf saftige Entschädigungen gefasst machen müssen.

In Berlin wurden jeweils vier BA-Flüge nach London und von der britischen in die deutsche Hauptstadt gestrichen. dpa

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