Welt : Werbebrei für Afrika

Beim G-8-Gipfel wurden offenbar Kinder aus Ghana eingeflogen, damit Politikerfrauen sie füttern konnten

André Anwar[Stockholm]

Skandal um das World Food Program (WFP). Beim G8-Gipfel im Juli flog die UN-Hilfsorganisation aus Werbezwecken arme afrikanische Kinder ein, damit die Ehefrauen der angereisten Toppolitiker diese mit Brei füttern konnten. Dies berichtet die ansonsten recht Zahme, dem staatlichen schwedischen Entwicklungshilfedienst Sida angehörende, Zeitung „Omvärlden“ am Dienstag.

Für den Gipfel waren die politischen Spitzen aus 28 Ländern und zehn internationale Organisationen nach Italien gekommen. Neben Themen wie dem Welthandel, Klima und der Wirtschaftskrise sollte auch über die Entwicklung des afrikanischen Kontinents und den Mangel an Nahrungsmitteln diskutiert werden.

Die UN-Organisation WFP wollte die Gelegenheit nutzen, auf Hungerkrisen in Afrika aufmerksam zu machen. Etwas sollte bei den Entscheidungsträgern hängen bleiben – auch emotional. Es folgte eine im Nachhinein heftig umstrittene Veranstaltung für Afrikas Interessen.

Statt die völlig ausgebuchten Staatschefs einzuladen, wurden deren ebenfalls angereisten Ehefrauen in die WFP-Zentrale eingeladen. Sie sollten eine eigens für dieVeranstaltung eingeflogene Gruppe von armen Kindern aus Ghana treffen. Die Kinder sollten den Politikerfrauen erzählen, wie WFP ihnen geholfen hat.

Doch es sollte anschaulicher werden. In einem Zelt, dass direkt neben dem Mitarbeiter-Swimmingpool der WFP-Zentrale stand, wurden laut „Omvärlden“ Sarah Brown, Margarita Barroso und andere Damen mit bekannten Nachname (Michelle Obama und Carla Bruni-Sarkozy sollen an der Veranstaltung übrigens nicht teilgenommen haben), eingeladen, die Kinder mit der Feldausrüstung der WFP, also Suppenschüssel und großen Kellen zu füttern. Auf dem Menü stand der von der WFP bei Hungerkrisen bevorzugte Sojamaisbrei.

Die im Schulalter befindlichen Kinder mit ihren gelben Pfadfinder-Uniformen und akkurat gebundenen roten Halsbändern machten höflich mit. Natürlich waren sie gar nicht hungrig. Aber es war eben eine plastische Demonstration, von der man hoffte, dass sich die Präsidentenfraue später mehr an das Hungerproblem in Afrika erinnern würden, als etwa beim Durchschneiden einer Schnur zur Eröffnung einer neuen Brücke, wie ein schwedischer Entwicklungshelfer unkte.

Laut der Internetzeitung City Press, die sich zur Aufgabe gemacht hat, die UN kritisch zu überprüfen, handelt es sich bei der Veranstaltung um eine der teuersten, die ein UN-Organ seit langem arrangiert hat. Freie Tage für Mitarbeiter, die Sicherheitsmaßnahmen für die Ehefrauen, Auswahl und Flugtransport der Kinder und andere Kosten belaufen sich laut Inner City auf rund 500 000 Dollar. WPF-Sprecher Greg Barrow sagte, dass es sich nur um 219 000 Euro gehandelt habe.

Ein Sprecher des schwedischen Entwicklungshilfedienstes verurteilte die Veranstaltung am Donnerstag. Bei WFP dauerte es lange, bis sich ein Sprecher fand, der zu einem Interview bereit war. „Wir wollten den First Ladies auf die Bitte der italienischen Regierung an uns, etwas im Rahmen des G8-Treffens zu machen, eindrücklich demonstrieren, womit wir konkret arbeiten, statt ihnen nur unsere Büroräume zu zeigen,“ sagte ein Sprecher schließlich. Es tue ihm Leid, wenn jemand dies falsch verstanden hätte. Er sehe nichts Ungewöhnliches oder Unmoralisches an der Veranstaltung. Einige First Ladies hätten zwar Essen ausgegeben, es aber neben die Kinder auf den Tisch gestellt. Von einer regelrechten „Fütterung“ könne keine Rede sein. Die Frauen hätten auch selber von dem Brei probiert.

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