Werbinich : Abschaffung der Förderklassen stößt auf Kritik

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Die Senatsverwaltung für Bildung bekommt nicht nur Lob für ihre Reformen im Bereich der Behindertenpädagogik. Besonders umstritten ist die beschlossene Abschaffung der sonderpädagogischen Förderklassen („Dehnklassen“) an den Sonderschulen, die bislang rund 1400 Erst und Zweitklässlern die Möglichkeit einer intensiven Förderung in Kleingruppen geboten haben.

Der Begriff „Dehnklassen“ deutet darauf hin, dass sie den Stoff der ersten beiden Schulklassen auf drei Jahre verteilen („dehnen“). Damit sollte erreicht werden, dass Kinder mit Wahrnehmungsstörungen und Entwicklungsverzögerungen in die Lage versetzt werden, ihre Defizite auszugleichen.

Kann ein Kind beispielsweise „W“ und „M“ oder „b“ und „d“ nicht unterscheiden, werden diese Buchstaben mit Materialen wie Stoff oder Seilen fühlbar gemacht: „Die starken Sinne unterstützen die schwachen“, beschreibt Schulleiter Dietmar Reich das Konzept. Er hat wie viele andere darauf hingewiesen, dass er das Aus der Dehnklassen für eine „Katastrophe“ hält. Auch Wolfgang Meinecke vom Landeselternrat sagt, es sei falsch, die Lehrerstunden, die jetzt in den Dehnklassen stecken, „nach dem Gießkannenprinzip“ auf alle Grundschulen zu verteilen.

Die Bildungsverwaltung verteidigt ihre Grundidee, alle Schüler zusammen zu unterrichten, und bestreitet, dass das Ganze ein „Sparmodell“ sei. Sie hat angeregt, dass Sonderpädagogen Fortbildungen in den Grundschulen anbieten. Außerdem weist sie darauf hin, dass es auch künftig die Möglichkeit gibt, in temporären Lerngruppen Problemkinder intensiver zu fördern.

Reich hält das für „Schönrederei“. Er kann sich nicht vorstellen, dass Grundschullehrer in Klassen mit bis zu 28 Kindern die schwierigen Schüler genügend fördern können. sve

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