Werbinich : Allianz für die Hoover-Schule

Susanne Vieth-Entus

In der zurückliegenden Woche konnte man in der deutschen Schulpolitik viel Anschauungsunterricht in einer ganz besonderen Disziplin erhalten – dem Zurückrudern. Als virtueller Übungsraum diente die Diskussion um die DeutschPflicht an der Weddinger Herbert-Hoover-Realschule. Nach und nach wischten all jene sich den Schaum vom Mund, die noch zu Wochenbeginn über „Diskriminierung“ und „Verbotspläne“ gewettert hatten. Was von der großen Empörungsgeste letztlich übrig blieb, ließ sich Sonntagabend bei Sabine Christiansen vernehmen. Grünen-Chefin Claudia Roth fand es nach langer Diskussion dann doch nicht mehr so schlimm, dass die Hoover-Schule die Deutsch-Pflicht verhängt hatte. Es komme nur darauf an, dass die Entscheidung gemeinsam von allen beschlossen werde, betonte Roth.

Dass genau diese Bedingung an der Schule von Anfang an eingehalten wurde – daran gab es allerdings nie einen Zweifel. Auch zu Wochenbeginn nicht, als Roth und andere Grüne wie der Berliner Özcan Mutlu zusammen mit den Türkischen Verbänden die große Diskriminierungskeule herausgeholt hatten. Sie alle wussten, dass Eltern und Schüler gemeinsam mit den Lehrern die Hausordnung verabschiedet hatten. Dennoch schreckten sie nicht vor dem Versuch zurück, sich auf Kosten der Schule zu profilieren.

Das ist nun gründlich misslungen. Selbst der Bundesvorsitzende der Türkischen Gemeinde, Kenan Kolat, gibt inzwischen zu, dass am Vorgehen der Schule nichts Unrühmliches sei. Er wünscht sich nur, dass in der Hausordnung nicht von der „deutschen Amtssprache“ die Rede ist, sondern dass das Ganze ein bisschen freundlicher verpackt wird. Das kann er haben.

Was nach dieser aufgeregten Woche bleibt, ist genau das Gegenteil dessen, was sich die Gegner der Deutsch-Pflicht gewünscht hatten: Entstanden ist nämlich eine parteiübergreifende Allianz derer, die eine Deutsch-Pflicht auf dem Pausenhof für richtig halten. Es gibt bundesweit praktische keine Stimme von Gewicht mehr, die das Vorgehen der Hoover-Schule verurteilen würde. Vielmehr haben jetzt auch andere Schulen den Mut gefunden, über ähnliche Vereinbarungen zu sprechen: So hat die Kreuzberger Friedrich-Zelter-Hauptschule einen offen Brief an die Leiterin der Hoover-Schule geschrieben, sie in ihrem Vorgehen bestärkt und ihr mitgeteilt, dass auch bei ihnen seit Jahren die DeutschPflicht herrscht – nur eben ohne Hausordnung.

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