Werbinich : Als die Kindheit zu Ende ging

Ein Comic-Sammelband würdigt ein zentrales Schulerlebnis: die Klassenfahrt

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Nachtwanderungen und heimliche Jungsbesuche im Mädchenzimmer, frühreife Flirts und böse Streiche, Engtanzpartys und der erste Alkohol – Klassenfahrten sind der Ort, an dem man Erfahrungen fürs Leben sammelt. Manche sind von fundamentaler Bedeutung für die Persönlichkeitsentwicklung, andere im Nachhinein nur noch peinlich. Dennoch begleiten einen die Erinnerungen an das kollektive Erlebnis oft noch Jahre später.

So ging es auch einer Gruppe von Hamburger Kunststudenten, die unter der Anleitung ihres Lehrers, des Berliner Comiczeichners Georg Barber alias Atak, eine Reise in die Vergangheit unternahmen. Jeder schrieb eine KlassenfahrtErinnerung auf, dann setzten die Studentinnen die Geschichten ihrer männlichen Kommilitonen als Comic um und umgekehrt.

In den schwarz-weißen Bildgeschichten, die dabei herauskamen, erzählen die Nachwuchszeichner in oft professionellem Stil von zaghaften Annäherungsversuchen ans andere Geschlecht und von unerfüllten Sehnsüchten, von peinlichen Erlebnissen in Duschen und Esszimmern von Jugendherbergen, aber vor allem nehmen sie den Leser mit auf eine Erinnerungsreise in jene Zeit, als die Kindheit langsam zu Ende ging, aber die nächste Lebensphase noch nicht richtig begonnen hatte. Trotz der unvermeidlichen Banalität mancher Details ist ein Buch herausgekommen, das auch Leser, deren letzte Klassenfahrt Jahrzehnte zurückliegt, in sentimentalen Erinnerungen schwelgen lässt. lvt

„Klassenfahrt“, Reprodukt-Verlag, 128 Seiten, schwarz-weiß mit einem Farbcover von Mawil, 23 x 16, 5 cm, Softcover, ISBN 3-938511-03-6, 15 Euro.

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