Werbinich : Alte Lehrer – junge Lehrer

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Für ein paar Tausend Lehrer ist vergangenen Freitag ein Albtraum wahr geworden: Der Senat hat die Altersteilzeit gestrichen, die es ihnen ermöglicht hätte, ab 60 Jahren nur 50 Prozent zu arbeiten und dafür 83 Prozent des Gehalts zu bekommen. Diese Woche werden die Gewerkschaften zwar versuchen, noch etwas zu retten; aber besonders gut stehen ihre Chancen nicht. Denn was auch immer sie an Expertisen und Argumenten anbringen werden: Wenn allein in den kommenden fünf Jahren rund 5000 Lehrer den 60. Geburtstag feiern, ist offenkundig, welch’ große Auswirkungen die Altersteilzeit hätte.

Selbst wenn nur 2000 Lehrer davon Gebrauch machen würden, müsste man für sie 1000 neue Lehrer einstellen. Zwar führt die Gewerkschaft an, dass junge Lehrer viel preiswerter seien als die über Sechzigjährigen; und dass die älteren Lehrer viel häufiger krank würden als bisher, wenn sie wieder voll arbeiten müssten. Die GEW hat das mal wissenschaftlich durchrechnen lassen und erzählt seither, dass die Streichung von Altersteilzeit teurer sei als die Altersteilzeit selbst. Aber man kann gewiss davon ausgehen, dass der Finanzsenator eine ganz andere Rechnung aufmachen würde. Und schließlich ist es dem Nicht-Beamten, der um seine Arbeit bangt, schwer klarzumachen, dass er mit seinen Steuern dafür aufkommen soll, dass Menschen, die ohnehin mehr verdienen als er und unkündbar sind, derart reduziert arbeiten dürfen.

Was ist die Lösung? Man müsste das System aufbrechen und dafür sorgen, dass ältere Lehrer nicht mehr 28 Stunden vor der Klasse stehen müssen, sondern andere Aufgaben wahrnehmen können. Das alles ist überfällig. Neue Gesetze müssen her und – vor allem – ein neues Beamtenrecht. sve

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