Werbinich : An Berlin nervt mich nur, dass es nicht am Meer liegt.

Max Deibert[15 Jahre]

Wer braucht Plattenbauten und seinen „Block“, wenn er surfen gehen kann?

Ich würde nach der Schule mein zu einem Surfboard umfunktioniertes Skateboard unter den Arm klemmen und zum Strand gehen. Dann der Rockerbande fünf Euro Strandgebühr bezahlen und mich, an Hundehaufen vorbeitänzelnd, zum Wasser vorarbeiten. Anschließend würde ich meinen besten Freund, den Delfin Flipper, begrüßen und mit ihm auf die erste Welle warten.

Wie oft wurde ich schon von überängstlichen Museumswärtern genervt, die mich für einen Säureattentäter oder sonst irgendwie gefährlich hielten. Wenn in Mitte aber Wogen türkisblauen Wassers leise gegen die Mauern des Bode-Museums plätscherten, müssten sie entspannter sein. Der ungeduldige Busfahrer, der mich morgens anpflaumt, wäre netter, wenn er abends mit seiner Liebsten den Sonnenuntergang am Kreuzberger Hafen betrachten könnte.

Vielleicht würde auch mein Lehrer fünf Wochen mit der Korrektur der Klassenarbeiten hinterherhinken, weil er nach Feierabend lieber am Segelboot bastelt. Senioren würden angeln gehen, anstatt mich und meine Freunde zu beschimpfen. Im Supermarkt hätten wir frische Seeluft in der Nase. Den ersten Kuss, die erste Zigarette – alles würden wir am Strand erleben. Berlin wäre die coolste Stadt, wenn sie am Meer läge.

Max Deibert, 15 Jahre

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