Werbinich : An die Bürger von Konsolien

Es ist Herbst, die neuen Videospiele sind da. Unser Autor hat todesmutig ein paar davon ausprobiert

Torsten Landsberg

Man stelle sich vor, man kommt nach fünf Jahren zurück in die Heimatstadt. Dort hat sich alles verändert. Brutale Gangs verbreiten auf den Straßen Angst und Schrecken, die Cops erweisen sich als korrupt und das BMX-Rad hat auch eine Acht. Was tun? Für Carl Johnson ist der Fall klar: Er versammelt seine verbliebenen Kumpels um sich und macht sich auf den Weg, die Straßen der verlotterten Stadt Los Santos wieder sicher zu machen. Klingt nach einem Ghettofilm aus den 90er Jahren? Stimmt, denn „Grand Theft Auto: San Andreas“, die Fortsetzung einer der weltweit erfolgreichsten Videospiel-Serien, spielt im vergangenen Jahrzehnt. Auch der Soundtrack liefert beim Zappen durch die städtischen Radiosender mit Dr. Dre, Snoop und Ice Cube den passenden Rhythmus zur großen Aufräumaktion.

GTA: San Andreas (Rockstar Games/für PS 2), 50 Euro

Für „Def Jam Fight For NY“ versammelt sich die Rap-Elite von Ost- und Westküste in New York, um die Vorherrschaft in der Stadt zu klären. Wenngleich die Veranstaltungsorte der Faustkämpfe naturgemäß oft wenig vertrauenerweckend scheinen, ist schon nach den ersten Erfolgen der Respekt der Szene sicher. Seite an Seite mit Method Man, Busta Rhymes und rund 40 weiteren Charakteren lässt sich vom Straßenkampf bis zu Martial Arts alles erlernen, was im Kampf um die Kontrolle der Hip-Hop-Unterwelt nützlich ist.

Def Jam Fight For NY (von Electronic Arts/für PS 2, Xbox und Gamecube), 50 Euro)

Frei von taktischen Zwängen den Ball der Straße spielen – ohne langes Training. Ein Ball, zwei Mannschaften und los geht’s. Das klappt mit „Pro Evolution Soccer 4“ (PES 4), das sich einfach drauflosspielen lässt, ohne dass man vorher die Bedienungsanleitung auswendig lernen muss. Wer sich nicht daran stört, dass der Hersteller nur die Lizenzen der Ligen aus Italien, England, Spanien und Holland bekommen hat und die deutschen Mannschaften nicht Hertha und Wolfsburg, sondern Hauptstadt und Autostadt heißen, kann sich auf außergewöhnlich realistische Bewegungen der Spieler freuen.

Die Konkurrenz verlangt einem da schon mehr Disziplin ab: Bei „Fifa 2005“ sind so viele Tastenkombinationen für ein erfolgreiches Abschneiden notwendig, dass man ohne zähes Training kaum das Außennetz trifft. Die „Fifa- 2005“-Grafik ist zwar genauso gut wie die von „PES 4“, an den Spielspaß reicht es aber nicht heran. Dafür hat „Fifa 2005“ alle denkbaren Lizenzen. Wie in Echt.

Pro Evolution Soccer 4 (von Konami/für PS 2, Xbox und PC), PC-Version 40 Euro, PS 2 & Xbox 50 Euro; Fifa 2005 (von Electronic Arts/für PS One, PS 2, Xbox, Gamecube und PC), je nach Version von 40 bis 50 Euro

Wer die Anschaffung eines klapprigen Kleinwagens plant, macht besser eine ausgiebige Probefahrt. Dabei sollte er die Strecke rund um den Silver Lake unbedingt meiden, sonst läuft man Gefahr, den Händler zu erzürnen. Schließlich tragen hier ein paar Durchgeknallte ihre Rennen aus, bei denen es gilt, die Kontrahenten in den Gegenverkehr oder über die Leitplanke in den nächstgelegenen See zu rammen. Und gegen Wagen mit so klangvollen Namen wie „Assassin Compact“ hat man im Erstwagen Fiat Uno sowieso keine Chance. Die erste Regel des Spiels: hohes Risiko gleich hohe Belohnung. Je riskanter die Fahrmanöver ausfallen, desto mehr Boost wird freigeschaltet. Boost?! Ja genau, er funktioniert wie der Turbo Boost bei „Knight Rider“, der KITT einst mit Schallgeschwindigkeit fahren ließ. So ist es auch bei „Burnout 3: Takedown“ – nur eben schneller. Viel schneller.

Burnout 3: Takedown (von Electronic Arts/für PS 2 und Xbox), 50 Euro

Punkte in Flensburg? Nee, danke. Mit Jean Alesi, Heinz-Harald Frentzen und bald auch Mika Häkkinen sind namhafte Fahrer ihren Formel-1-Boliden entstiegen, um bei den Deutschen Tourenwagen Masters im umgebauten Audi, Opel und Mercedes im Kreis zu fahren. Training ist wichtig, deshalb wird sich wohl auch Mika schon „DTM Race Driver 2“ besorgt haben, um die 57 Rennstrecken zwischen Hockenheim und Nürburgring und die Wagen der Konkurrenz kennen zu lernen.

DTM Race Driver 2 (von Codemasters/für PS 2, Xbox und PC), PC-Version ca. 40, PS 2 & Xbox ca. 50 Euro

Schmutzige Hände sind was Schönes. Holen kann man sie sich auf den Spuren des Rallyefahrers Colin McRae – auf schlammigen Bergpässen oder auf dem bayerischen Acker. Begleitet wird man stets von einem Beifahrer, der den nächsten Kurvenverlauf voraussagt. Er ist ein lebendiges Navigationssystem, das allerdings nicht vor der Bekanntschaft mit Bäumen am Straßenrand schützt. Nach schweren Zusammenstößen setzt eine Benommenheit ein, das Sichtfeld verschwimmt. Bei der „Colin McRae Rally 2005“, dem bereits fünften Teil der erfolgreichsten Rallyeserie, muss man mit hohem Ersatzteilverschleiß rechnen.

Colin McRae Rally 2005 (von Codemasters/für PS 2, Xbox und PC), je nach Version von 40 bis 50 Euro.

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