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Andrang an Berliner Unis : Nach dem Abi auf und davon

05.12.2012 00:00 Uhrvon
Platz da. Wer in der Hauptstadt studieren will, braucht einen sehr guten Notendurchschnitt.Bild vergrößern
Platz da. Wer in der Hauptstadt studieren will, braucht einen sehr guten Notendurchschnitt. - Foto: Anika Buessemeier/laif

Berliner Schulabgänger haben schlechte Aussichten auf einen Studienplatz in ihrer Heimatstadt. Was tun, wenn es nicht klappt? Zwei Betroffene haben da so ihre Vorstellungen.

Als Selin im Mai dieses Jahres ihr Abschlusszeugnis in den Händen hielt, dachte sie, der Stress läge nun hinter ihr. An der Wald-Oberschule in Charlottenburg hatte sie ihr Abi gemacht. Die Prüfungen waren zu ihrer Zufriedenheit verlaufen, das wochenlange Lernen gehörte endlich der Vergangenheit an. Jetzt würde sie sich dem widmen können, worauf sie die letzten Jahre hingearbeitet hatte: ihrer Zukunft. Diese Zukunft malte sich Selin gedanklich in leuchtenden Farben aus. Bevor sie im Herbst mit ihrem Lehramtsstudium beginnen würde, wollte sie Zeit mit ihren Freunden verbringen, reisen, nebenbei jobben. Der Sommer würde der bisher beste werden, da war sie sicher.

Was Selin damals nicht ahnte:  dass der Stress nun erst anfangen würde. Denn für die von ihr gewünschte Fächerkombination Deutsch/Sport erhielt sie nur Absagen. Von der Humboldt-Uni, von der FU und auch von der Uni Potsdam. Ihr Notendurchschnitt von 2,5 reichte für die Zulassung nicht aus. Selin, deren Nachname lieber nicht in der Zeitung stehen soll, war enttäuscht. „Mit dem Abi, das ich gemacht hatte, war ich eigentlich zufrieden“, sagt die 19-Jährige, „dass es so schwer werden würde, damit meinen Wunschstudienplatz zu bekommen, war mir nicht bewusst, sonst hätte ich mich noch mehr angestrengt.“

So wie Selin erging es in diesem Jahr vielen Berliner Abiturienten, die zum Studium ihres Wunschfachs nicht zugelassen wurden. Weil die Zahl der Bewerbungen an den hauptstädtischen Hochschulen gestiegen ist, hat sich der Numerus clausus für viele Fächer deutlich verschärft. Grund dafür ist zum einen der Doppeljahrgang in Berlin und Brandenburg, der etwa ein Viertel mehr Abiturienten hervorbrachte. Zum anderen wird die Hauptstadt als Studienstandort immer attraktiver und die Hochschulen verzeichnen einen größeren Andrang. Bereits vor zwei Jahren hatte lediglich ein Drittel der Berliner Erstsemester das Abitur in Berlin gemacht, der Rest waren Zuzügler.

Arvid Peschel vom Allgemeinen Studierendenausschuss der FU kennt das Problem, er ist für die Hochschulberatung zuständig. In seiner Sprechstunde informiert er die Abgewiesenen über die ihnen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten. „Diesen Sommer war enorm viel los“, sagt Peschel. Besonders begehrt seien die Fächer Medizin, Psychologie und Politik, entsprechend hoch sei die Zahl der Absagen. Diejenigen, die nicht zugelassen wurden, erkundigten sich häufig nach Möglichkeiten zum Quereinstieg oder Einklagen des Studienplatzes. „Wobei wir Letzteres nicht unbedingt fördern wollen“, sagt Peschel. Warum? Weil nur klagen könne, wer über die entsprechenden finanziellen Mittel verfüge. Deshalb rät Peschel denjenigen, die vor ihm sitzen, sich an einer anderen Uni zu bewerben und dann den Platz zu tauschen, um doch noch in Berlin studieren zu können. Das Problem: Dafür muss sich erst mal jemand finden.

Von der Möglichkeit zum Tausch eines Studienplatzes wusste Selin nichts, vielleicht hätte sie sich sonst auch woanders beworben. Die Nachricht, dass es mit den gewünschten Fächern nicht klappen würde, erreichte sie ziemlich unvermittelt. „Zwischendurch bekam ich mehrere Mails, in denen mir mitgeteilt wurde, dass sich die Benachrichtigung verzögert“, erzählt sie. Anfangs habe sie sich dabei noch nichts gedacht, doch als Ende August die Absagen kamen, war das ein Schock. „Ich hatte mir keine Alternativen überlegt und bin fest davon ausgegangen, dass man mich an einer der drei Unis schon nehmen würde.“ Nachdem aber eine Ablehnung nach der nächsten eintraf, war klar, dass ein Plan B her musste.

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