Werbinich : Annie Leibovitz?

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Annie Leibovitz hat Knut im Zoo fotografiert. Das tun hunderte Menschen am Tag. Weshalb ist das bei ihr besonders?

Annie Leibovitz ist Fotografin und ist für Fotokunst das, was Madonna für Musik ist: Perfektionistin, nicht nachzuahmen, facettenreich. Ein berühmtes Bild von ihr ist etwa eins von John Lennon, der nackt die schwarz gekleidete Yoko Ono umschlingt. Am Tag nach dem Fotoshooting wurde er erschossen.

Kein gutes Omen für Knut.

Ach was. Knut ist momentan eben der berühmteste Berliner. Und Leibovitz arbeitet nur mit den Großen. Kurz nach der Stippvisite im Zoo war sie bei der Queen zu Besuch. Und sie war die erste, die Tom Cruises Tochter Suri fotografieren durfte.

Also hat niemand Knut so gut getroffen wie Annie?

Nunja. Das Bild war auf dem Cover der Vanity Fair, es hing überall in der Stadt plakatiert. Es ist eben eines der vielen süßen Knut-Bilder. Da gilt wohl Leibovitz’ Statement zum Bild von Tom Cruises Kind, als eine Journalistin das als konventionell kritisierte: „Du meine Güte, es ist ein Babyfoto, und Babyfotos sind so.“

Was für ein Mensch ist Leibovitz?

Es heißt, sie bereitet sich genau vor, liest alles über Menschen, die sie portraitiert, versucht zu verstehen, wie sie ticken, schaut sich deren Arbeit an. Privat war sie lange mit Susan Sontag zusammen.

Der großen Denkerin?

Genau. Eines von Sontags einflussreichsten Büchern ist auch „Über Fotografie“, das in den Siebzigern erschien.

Sontag ist vor ein paar Jahren gestorben.

Ja, 2004 an Leukämie. Bestattet ist sie übrigens auf dem berühmten Pariser Montparnasse Friedhof, wo auch Jean-Paul Sartre oder Man Ray beerdigt sind. jea

Nicht zu verwechseln mit Annie Lennox, Andrea Nahles, Stephanie Sinclair

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