Werbinich : Anziehende Anregung

Einheitliche Schulkleidung findet in Berlin und Brandenburg viele Befürworter

Annette Kögel

„Ich kann allen Schulen eine gemeinsame Kleidung nur wärmstens empfehlen“, sagt Gudrun Wurzler. Die Schulleiterin der Potsdamer Max-Dortu-Grundschule trägt selbst ein dunkelblaues T-Shirt mit Schullogo: die Aufschrift „Potsdam“, der Schulname und die Symbole Notenschlüssel, Fußball sowie Pinsel. Die Anregung von Justizministerin Brigitte Zypries (SPD), alle Kinder sollten Schuluniform tragen, um religiöse und soziale Vorbehalte einzudämmen, findet auch in Berlin Zuspruch: Die Bildungsverwaltung, Politiker unterschiedlicher Couleur sowie Teilnehmer des Tagesspiegel-Modellversuchs zu Schuluniformen plädieren für den Einheitslook – auf freiwilliger Basis.

„Als wir unsere Schulkleidung vor zwei Monaten bei den Erstklässlern eingeführt haben, gab es vor allem bei den Familien nichtdeutscher Herkunft ein positives Echo“, sagt Schulleiterin Wurzler. Pakistaner, Türken, Chinesen, Afrikaner, Vietnamesen – auch sie alle kommen jetzt in wahlweise gelber, roter oder blauer legerer Kleidung. 16 Teile gehören zur Garnitur, auch einige Lehrer tragen sie, einige Eltern melden ihre Kinder jetzt extra an der Schule an, weil sie um die Gemeinsamkeit stiftende Besonderheit wissen. „Wir haben sehr gute Erfahrungen mit der Kleidung gemacht, auch unsere Schüler mit afrikanischer Herkunft fühlen sich jetzt mehr dazugehörig“, sagt Gudrun Wurzler. An der Grundschule gibt es keine Kopftuchträgerinnen, „das beginnt ja meist erst, wenn die Mädchen älter sind“. Gerade die türkischen Eltern hätten darauf hingewiesen, dass es in der Türkei zwar konservative Schuluniformen gebe, dass Kopftuchtragen aber verboten sei.

Schuluniformen verbessern das soziale Klima etwa zwischen Schülern unterschiedlicher Herkunft „nicht von jetzt auf gleich“, sagt Katrin Schultze-Berndt, Bildungsexpertin der CDU . Aber sie stärken die Identifikation mit der Klasse, das Gemeinschaftsgefühl und lösen einen Diskussionsprozess über Äußerlichkeiten aus, sagt Schultze-Berndt – in deren Fraktion andere eher der Meinung des Philologenverbandes sind: „Es ist völlig unrealistisch, zu glauben, mit Schuluniformen ließen sich Integrationsprobleme lösen oder der Markenfetischismus bekämpfen“. Dieser Wettstreit verlagere sich dann auf Handys, Schmuck, Federtaschen, Schulranzen. Der Kreuzberger SPD-Mann Stefan Zackenfels ist hingegen für eine – freiwillige – Einheitskleidung an Schulen.

Wie Lehrerin Marianne Strohmeyer vom Steglitzer Willi-Graf-Gymnasium, die sich vor fünf Jahren mit ihrer Klasse 8a und einer Friedrichshainer Hauptschule am Tagesspiegel-Modellversuch zu Schulkleidung beteiligte. Das Projekt hat in mehrfacher Hinsicht Eindruck hinterlassen: Noch immer melden sich Wissenschaftler und Journalisten aus aller Welt bei ihr. Das Tagesspiegel-Projekt findet bis heute Eingang in Schulbücher sowie Diplomarbeiten – und zwei Mädchen der Steglitzer Schule tragen das Sweatshirt mit Logo noch immer.

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