Werbinich : Aufklären und kochen

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Was wissen Zehntklässler über die DDR, fragten wir vergangene Woche auf der Schulseite. Nicht gerade viel, war das Ergebnis einer Befragung von rund 130 Jugendlichen in Ost und West-Berlin. Damit es mehr wird, haben sich am 9. November vergangene Woche ausgehend von einer Initiative von Bildungssenator Klaus Böger (SPD) Neuntklässler aus rund 45 Schulen in Ost und West getroffen – darunter auch Schüler des Camille-Claudel-Gymnasiums in Pankow und des Schadow-Gymnasiums in Zehlendorf. Im Mauermuseum am Checkpoint Charlie hörten sie dem Zeitzeugen Rudi Thurau zu. Der ehemalige NVA-Unteroffizier flüchtete 1962 in den Westen. In den 60er und 70er Jahren verhalf er mit spektakulären Aktionen Ost-Berlinern zur Flucht in die Bundesrepublik. „So detailliert kannte ich die Geschichte nicht“, sagt Natalie Grassi, 14, aus Pankow. „Hier wird die Geschichte sehr anschaulich.“

Unterschiede zwischen Ost und West sehen die Jugendlichen nicht. „Von meinen Eltern kenne ich Sprüche wie ’typisch arroganter Wessi’, aber ich selbst kann das kaum unterscheiden“, sagt Pia Gralski aus Pankow. „Wir sind ein Berlin“, sagt ihr Klassenkamerad Manaf Hassan. Nach dem Museumsbesuch kam man sich beim Mittagessen im Camille-Claudel-Gymnasium näher. Danach stand fest: „Wir wollen auf jeden Fall in Kontakt bleiben“, sagt die Pankower Klassenlehrerin Grit Kramer.

In der Bröndby-Schule in Lankwitz kochten Schüler gemeinsam mit der Robert Havemann-Oberschule aus Karow. „Nach Weihnachten wollen wir die Karower besuchen“, sagt Bröndby-Lehrerin Marianne Vossoug.

„Die Brisanz des 9. Novembers ist den Jugendlichen heute nicht mehr bewusst“, sagt Geschichtslehrer Leo Morsch vom Schadow-Gymnasium. „Das war noch vor wenigen Jahren anders. Da kannten die Jugendlichen die DDR aus eigener Erfahrung und reagierten emotionaler.“ jj

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