Werbinich : Aus Geschichte wird man klug

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Nur wer die Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft. Das sagte Wilhelm von Humboldt, der von 1767–1835 lebte. Und das gilt bis heute.

Wer Geschehnisse einordnen will, wer Entwicklungen beurteilen will, der muss die Geschichte kennen, die vorausgegangen sind. Ob es der Krieg im Nahen Osten ist oder die Situation in der Europäischen Union. Und von dem Humus, auf dem ein solches Verständnis wächst, verteilt die Schule viel zu wenig. Hier und da ein paar Brocken: 333 bei Issos Keilerei, 1848 der Weberaufstand in Schlesien, französische Könige und dann ganz viel NS-Zeit. Da hat das eine mit dem anderen nichts zu tun. Geschichte wird zerhackt in unterschiedliche Beete, die nacheinander bestaunt werden. Dabei ist Geschichte ein einziger Zusammenhang, das könnte das Fach so interessant machen, wenn man ihm nur Platz geben würde. Ein guter Geschichtsunterricht könnte den Schülern erklären, wie die Welt wurde, was sie ist. Er könnte Entwicklungen zeigen, Erfindungen, Epochen mit aufnehmen. Aber der Schwerpunkt liegt woanders: Seit Pisa züchtet Schule wie besessen Mathe- und Deutschkenntnisse. Das ist auch richtig und wichtig, aber das darf nicht alles sein. Dazu noch eine Frage. Welchem Satz können Sie eher zustimmen? a) Wenn Erwachsene über ihre Schulzeit sprechen, bedauern sie oft, dass sie nicht mehr über Logarithmen oder Sinus-Kurven gelernt haben. b) Wenn Erwachsene über ihre Schulzeit sprechen, bedauern sie oft, dass sie nicht mehr über beispielsweise das Altertum oder Europas Wurzeln gelernt haben? Die Antwort dürfte einfach sein. ari

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