Werbinich : Berlin ist die Rettung

Susanne Vieth-Entus

Berliner Gymnasien, die unter dem grassierenden Schülerrückgang leiden, können sich freuen: Auf sie wartet ein wohltuender Regen ehrgeiziger Kinder aus Brandenburg. Das Nachbarland will nämlich die Hürden für den Zugang zu den Gymnasien erhöhen, weil es um das Niveau der höheren Lehranstalten bangt: Nur noch Kinder mit Gymnasialempfehlung und guten Noten in den Hauptfächern dürfen ab Sommer 2008 ein Gymnasium besuchen – egal, was der jeweilige Schulleiter sagt. In Berlin hingegen kann es jeder auf dem Gymnasium versuchen, sogar mit einer Hauptschulempfehlung. Man hat ein halbes Jahr Zeit, zu beweisen, was in einem steckt.

Der Berliner Weg ist nicht unumstritten. Denn er führt dazu, dass Jahr für Jahr hunderte überforderte Kinder die siebten Klassen der Gymnasien belasten und schließlich „aussortiert“ werden. Andererseits gibt es aber auch hunderte Kinder, die trotz fehlender Gymnasialempfehlung ohne Probleme bis zum Abitur kommen. Für sie ist die Durchlässigkeit des Systems ein Segen.

Diesen Spätentwicklern zeigt Brandenburg die kalte Schulter, so dass ihnen nichts anderes übrig bleibt, als in die – teilweise unattraktiven – „Oberschulen“ auszuweichen, die Haupt- und Realschüler beherbergen. Einzige Alternative: Wenn die Abgewiesenen im Speckgürtel wohnen, können sie es mit einem Berliner Gymnasium versuchen. Zwar dürfen Brandenburger Schüler nicht auf jede Berliner Schule, die ihnen gefällt, aber immerhin auf jede, die freie Plätze hat. Und das sind wegen des Schülerrückgangs eben eine ganze Menge. Für viele Brandenburger dürfte sich ihre Nähe zu Berlin als Rettung in der Not erweisen, denn gerade in diesen Regionen sind die Gymnasialplätze zusätzlich knapp wegen der vielen zugezogenen Häuslebauer.

So macht es Brandenburg seinen Landeskindern gleich auf zweierlei Weise schwer: einmal durch fehlende Gymnasialkapazitäten und dann durch die neuen Hürden, die es aufbaut. Bildungsminister Holger Rupprecht (SPD) soll künftig nur nicht wieder behaupten, Brandenburg wolle den prozentualen Anteil der Abiturienten erhöhen.

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