Berufsanfänger : So klappt’s mit dem neuen Job

Sich selbst kopieren, lustige E-Mail-Adressen in der Bewerbung angeben: Was sich Berufsanfänger erlauben dürfen – und was nicht.

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Spaß muss sein. Wer sein Gesicht auf den Kopierer legt, darf sich dabei nicht erwischen lassen. Für unsere Praktikantin Esther...Fotokopie: Tsp

Ist es okay, auf seinem Lebenslauf für Rückfragen die E-Mail-Adresse fruchtzwerg82@freenet.de anzugeben?



Natürlich. Aber nicht, wenn man den Job oder Praktikumsplatz auch wirklich haben will. Denn die Zeiten, in denen mallorca-johnny@freenet.de und kuschelbiene21@web.de noch als Normalfall durchgingen, sind lange und eindeutig vorbei. Natürlich muss nicht jeder mit einer angeberischen office@christianschmidt.de-Adresse aufwarten und noch gleich seine professionelle Visitenkarte aufdrängen. Aber etwas Neutrales, das nicht gleich Rückschlüsse auf das eigene Privatleben zulässt, ist natürlich angebracht. Man will ja schließlich auch nicht wissen, dass der zukünftige Chef sich mit dem Nickname Bowling-Bernd52@hotmail.com durchs Netz bewegt.

Darf man auf die Nachfrage der Eltern, was man denn später mal machen will, „irgendwas mit Medien“ antworten?


Nein. Zumindest nicht, wenn man will, dass die Eltern beruhigt und wohlwollend den monatlichen Dauerauftrag aufs eigene Konto einrichten. Denn zu oft klingt „was mit Medien“ wie eine billige Rechtfertigung für die Wahl der Studienfachkombination „Archäologie-Komparatistik-Japanologie“, die man in erster Linie deshalb gewählt hat, weil dann der Stundenplan nur von Dienstag bis Donnerstag geht. Gerade für Eltern, die für ihr Kind eine Ausbildung als Bankkauffrau vorgesehen hatten, klingt „Medien“ nach Größenwahn und pseudowichtiger Perspektivlosigkeit. Noch schlimmer als vor den Eltern das Stichwort „Was mit Medien“ zu nennen, ist es, dies vor dem zukünftigen Chef bei der Bewerbung zu tun. Dann nämlich sinken die Chancen, irgendwann vielleicht wirklich mal „was mit Medien“ zu machen, augenblicklich gegen null.

Die Kollegen sind zu Tisch, die Sekretärin besorgt gerade Blumen für die Frau des Chefs. Darf man als Praktikant in einer ruhigen Bürominute sein eigenes Gesicht im Kopierer kopieren?


Ja. Man darf ja schließlich schon keine Bouletten vom Chefbuffet essen und kein Druckerpapier heimlich mitnehmen, und ein bisschen Spaß muss ja bleiben. Eine Vorsichtsmaßnahme beim Kopieren sämtlicher Körperteile sei allerdings gegeben: Man muss sichergehen, sich mit dem Gerät wirklich, also wirklich, gut auszukennen. Denn nichts ist peinlicher, als nach dem alarmierenden Warnsignal „Papierstau“ auf die technikaffine Sekretärin zu warten und diese dann hüstelnd und puterrot um Hilfe zu bitten, während sie einige Knöpfe drückt und mit strengem Blick zusieht, wie vor den Augen der zurückgekehrten Belegschaft ein Konvolut der eigenen Fratze aus dem Kopierer quillt. Das Gleiche gilt übrigens auch für ausgedruckte Kochrezepte und DSDS-Kandidatenbeschreibungen, die zum privaten Gebrauch gedacht sind.

Die Google-Recherche hat ergeben, dass der potenzielle Chef ebenfalls Mitglied bei Facebook ist. Ist es von Nachteil, ihn gleich nach dem ersten Vorstellungsgespräch als Freund hinzuzufügen?

Natürlich nicht. Allerdings will dieser Schritt wohlüberlegt sein. Denn es ist Einschleimen auf kurze Sicht. Denn natürlich darf man den Chef anschließend nicht mehr löschen. Auch dann nicht, wenn man vorhatte, die Fotos des eigenen Gewinns des traditionellen Trichtersaufen-Jungsabend ins Netz zu stellen und mit stammtischmäßigen „Zickezacke heu heu heu“-Kommentaren zu versehen. Wer den Chef hinzugefügt hat, der muss jetzt aufpassen und jeden Tag kontrollieren, ob nicht irgendjemand ein Foto gepostet hat, auf dem man eine Damenperücke trägt oder auf der Toilette sitzt. Statusmeldungen „Macht heute blau“ oder „Kein Bock auf Arbeit“? Für immer passé. Noch demütigendere Eventualität: Der Chef bestätigt die Anfrage nicht. Dieses kleine intime Detail wird ewig zwischen euch stehen und führt zu weiteren Fauxpas: Betrunken wirst du den Chef irgendwann einmal auf einem Betriebsfest fragen, was das sollte.

Muss man ein schlechtes Gewissen haben, wenn man im Vorstellungsgespräch lügt?

Ein bisschen schon. Denn zu schnell passiert es, dass der zukünftige Chef sich tatsächlich für Segelsport begeistert und interessiert nachfragt, während man selber sich lediglich einen mediterran-sportlichen Anstrich geben wollte. Wer plötzlich Genaueres über den Abwasserskandal erzählen soll, den er angeblich in der heimatlichen Kleinstadt aufgedeckt hat, muss wissen, wovon er spricht. Ansonsten gilt das Prinzip der Auslegungstoleranz: Wer zugibt, drei Monate in Mexiko ausschließlich am Strand gelegen und Beachvolleyball gespielt zu haben, der ist doof. Wenigstens die Worte „Kulturaustausch“ oder „Sprachurlaub“ müssen schon drin sein. Und man muss immerhin schon mal ein Praktikum bei ebenjener Zeitung gemacht haben und drei Redakteure mit Namen kennen, bevor man etwas von „freier Mitarbeit“ schwadronieren darf. Denn immerhin wird einem das Praktikum, bei dem das Wort „Langeweile“ in völlig neue Dimensionen abdriftet, ja auch als „interessanter Einblick“ verkauft. Es ist schließlich ein Geben und Nehmen.

Darf man in Jeans zum Bewerbungsgespräch erscheinen?


„Hip teens don’t wear blue jeans“, heißt es in einem Hit von vor sieben Jahren. Aber erstens liegt der schon zu lange zurück, um heute noch Gültigkeit proklamieren zu können; zweitens geht es ja nicht darum, Hipness zu bekunden, und drittens spricht von der Band heute eh niemand mehr (für Vergessliche: Die Truppe heißt Frank Popp Ensemble). Wer heute in schniekem Anzug und Fliege zum Bewerbungsgespräch erscheint oder im Sekretärinnen-Kostüm, der macht sich bestenfalls bei Mutti beliebt. Erfahrene Chefs werden den Aufzug sogleich als Faschingskostümierung durchschauen und Verdacht schöpfen. Dann doch lieber in Jeans kommen – ist irgendwie ehrlicher. Nur auf den abgewetzten Kapuzenpulli von „Stüssy“ sollte man doch besser verzichten. Ein gebügeltes Hemd, eine dezente Bluse sind angebracht, um Seriosität und Einsatzbereitschaft zu signalisieren.

Semesterferien – Hochphase der Studentenjobs. Welcher ist der Beste?

Die Auswahl des Studentenjobs ist eine Lebenseinstellung. Entweder man läuft, als Käsemädchen verkleidet, in Holzschuhen über ein Volksfest und verteilt Goudahäppchen oder aber man absolviert fleißig unbezahlte Praktika. Eine zu vernachlässigende Minderheit bemüht sich auch um so etwas wie eine Werksstudentenstelle bei BMW, um irgendwann dort auch mal seine Diplomarbeit zu schreiben. Die Käsemädchen, die auch gerne mal zehn Tage lang auf der Internationalen Automobil-Ausstellung in Frankfurt in einem Catsuit neben dem neuen Ford stehen und lächeln, sammeln sehr frühe Erfahrungen im Berufsleben: Sie verhandeln um Geld, sie wehren sich gegen unangenehme Kunden, sie haben einen Gewerbeschein. Die Praktikanten hingegen sind frustriert vom Berufsleben, schon bevor es losgeht. Sie leben in ärmlichen Verhältnissen, während die Käsemädchen immer das ganze Vip-Logenbuffet von der Arbeit mit nach Hause bringen. Die entsprechenden Praktikumszeugnisse fehlen Letzteren dann natürlich beim Bewerbungsgespräch. Aber im Lebenslauf geht die Automesse immer noch als schwammige „Kommunikationsbranche“ durch.

Was sind die verbotenen Sätze im Vorstellungsgespräch?

1. „Ich finde, das Praktikum ist eine gute Möglichkeit, um es dann im nächsten Jahr auch bei ,Scholz & Friends‘ zu schaffen. Da will ich nämlich langfristig hin.“

2. „Puh, das klingt aber ganz schön stressig.“

3. „Organisation ist jetzt eigentlich nicht so mein Ding, aber das krieg ich schon irgendwie hin.“

4. „Ich wollte halt immer schon mal nach Berlin, echt cool, dass das jetzt geklappt hat.“

5. „Wann ist denn immer Mittagspause?“

6. „Kann ich dienstags und donnerstags früher weg? Da hab’ ich nämlich immer Fußball.“Elena Senft

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