Werbinich : Bewährtes nicht ausbremsen

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Trotz Osterferien tut sich was: Das Bezirksamt Mitte wird sich heute mit der Sozialarbeit und der Gewaltprävention an der Moabiter Gotzkowsky-Grundschule befassen. Das Thema brennt, denn die Schule soll ihre erfolgreiche Schulstation verlieren, weil das Geld dafür anderen Grundschulen im Bezirk zugute kommen soll, die noch mehr bedürftige Kinder und solche aus Migrantenfamilien haben. Der Jugendhilfeausschuss hatte im Herbst beschlossen, dass die knappen Mittel, die nur für fünf reguläre und vollfinanzierte Schulstationen reichen, umverteilt werden sollen.

So ist das inzwischen in den sozialen Brennpunkten der Stadt: „Nur“ 65 Prozent Kinder nichtdeutscher Herkunft wie an der Gotzkowsky-Grundschule reichen schon nicht mehr aus, damit eine Schule eine reguläre Schulstation bekommt. Es müssen schon 80 oder 90 Prozent sein. Nun könnte man einwenden, dass alles nur halb so schlimm sei, weil wahrscheinlich eine andere Finanzierung gefunden wird, die dann nur teilweise vom Bezirk und ansonsten vom Quartiersmanagement getragen wird. Das Problem ist allerdings, dass eine neue Finanzierung dazu führen würde, dass die Sozialarbeiter nach einem Jahr ausgetauscht werden und der nächsten Ein-Euro-Kraft oder Arbeitsbeschaffungsmaßnahme weichen müssen.

Das ist nicht nur für die Sozialarbeiter schlecht, sondern auch für die Kinder: Mit schöner Regelmäßigkeit stoßen sie auf neue Menschen, die gar nicht ihre Vorgeschichte kennen können. Wie soll ein Vertrauensverhältnis entstehen, wenn der Mensch, bei dem ich mich gestern ausgeweint habe, in drei Wochen nicht mehr da ist? Nicht mehr da, weil Berlin es nicht schafft, Sozialarbeit als festen Bestandteil von Schule zu begreifen, der nicht zur Disposition steht. sve

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