Bist Du ein Berliner? : Berlin ist ein kaltes Pflaster - und dennoch liebenswert

Spricht man in Berlin Englisch, Spanisch oder Schwäbisch wird man angefeindet. Unsere Autorin für die Jugendseite "Werbinich" liebt die Hauptstadt trotz ihrer kühlen Arroganz.

Constanze Bilogan
Unsere Autorin liebt Berlin, obwohl sie nicht für immer dort bleiben will.
Unsere Autorin liebt Berlin, obwohl sie nicht für immer dort bleiben will.Foto: dpa

Berlin gibt sich kleinstädtisch, entwickelt sich jedoch immer stärker zu einer Metropole, die in einem Atemzug mit London oder New York genannt wird. Aber eben nicht so teuer ist wie London oder New York. Unter sich will man in Berlin bleiben. Angefeindet wird man, spricht man Englisch, Spanisch oder (ja immer noch) Schwäbisch. Beides aber geht nicht. Metropole sein und alles rausekeln wollen, was eine Metropole ausmacht.

Funktioniert nicht jede Großstadt wie dieser Moloch aus Kultur, kaltem Zigarettenrauch und abgestandenem Club Mate? Leben in London viele Londoner? In Paris viele Pariser? Wird man als Spanier in New York angefeindet? Bekommt nicht jede Großstadt ihr Gesicht mit den spanischen, amerikanischen und italienischen Gesichtern, die in jedem Kiez Coffeeshops, Burgerbars und Klamottenläden eröffnen? Start-ups gründen und damit Berlin immer weiter Aufschwung verleihen? Und wie viel Gemecker um all die Zugezogenen ist eigentlich erlaubt, bevor es ätzend wird?

Mein Zuhause ist die alte Bundeshauptstadt. Vor sechs Jahren kam ich nach Berlin, doch viele meiner Freunde haben mich darum nicht beneidet. Da ist doch alles so ruppig, arrogant und kalt. Ich dachte, die wollen wohl nichts erleben. Nicht raus von zu Hause und erwachsen werden. Recht haben die aber irgendwie schon, Berlin ist ein kaltes Pflaster. Dennoch liebenswert irgendwie.

Wem gehört die Stadt überhaupt?

Aber wie wichtig kann man sich als Bewohner einer Stadt nehmen, denn wem gehört die Stadt überhaupt? Mietpreiserhöhung, Gentrifizierung, das alte Lied, aber: Das passiert doch überall. Eine Wohnung in Köln hätte ich mir als Studentin niemals leisten können. Geschweige denn in Hamburg oder München, oder – Gott bewahre – in Bonn. Ist da die Gentrifizierung also schon durchmarschiert?

Touristen und Zugezogene kommen, weil die Stadt roh ist. Weil es Straßenmusiker gibt, man die Nacht zum Tag machen kann und ständig Aufbruchsstimmung herrscht. Auch weil man hier einfach noch alles trifft. Jeder hat die Möglichkeit, in Berlin mitzumischen. Und reich muss man dafür nicht sein, zumindest noch nicht. Es scheint eine Gratwanderung: Wie viele Ur-Berliner können sich Berlin in Zukunft noch leisten. Und wie stark will die Stadt kulturell, international und divers wachsen. Eine moderne Großstadt eben.

Ich liebe Berlin, obwohl ich keine Berlinerin bin. Aber bleiben werde ich nicht für immer.

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